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Polizei präsentierte „Beute“

Mehr als 30 Familienangehörige von Tunesiens gestürztem Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali sind laut einem Medienbericht in den vergangenen Tagen festgenommen worden. Es werde eine Untersuchung eingeleitet, um die 33 festgenommenen Angehörigen des nach Saudi-Arabien geflohenen Staatschefs der Justiz zu übergeben, berichtete das tunesische Fernsehen am Donnerstag.

Der Sender berief sich auf eine Quelle in den Behörden. Die Namen der Festgenommenen wurden nicht genannt. Auch zum Grad ihrer Verwandtschaft mit Ben Ali machte der Sender keine Angaben. Er zeigte jedoch zahlreiche Schmuckstücke, Uhren und internationale Bankkarten, die bei der Festnahme der Ben-Ali-Angehörigen beschlagnahmt worden seien. Die tunesische Justiz hatte am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren gegen Ben Ali und seine Familie wegen illegaler Aneignung von Gütern, widerrechtlicher Finanztransaktionen ins Ausland und illegaler Ausfuhr von Devisen eingeleitet.

Tunesiens gestürzter Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali und Ehefrau Leila

AP/Hassene Dridi

Ben Ali und seine Frau Leila in für sie besseren Zeiten

EU will Konten sperren

Unterdessen plant auch die EU, die millionenschweren Konten von Tunesiens Ex-Machthaber zu sperren. Allerdins gibt es noch keine endgültige Einigung, diese dürfte erst Ende des Monats fallen, womit wohl noch lange Zeit bleibt für Ben Ali und seinen Clan, die Konten leerzuräumen. Die Schweiz hatte bereits zuvor den Zugriff auf Konten und Immobilien des Ben-Ali-Clans gesperrt.

„Eine Art Mafia“

Mit ihrem Clan aus zehn Geschwistern habe Ben Alis Frau Leila Trabelsi das Land wie „eine Art Mafia“ ausgebeutet, beschreiben US-Diplomaten laut der Internetplattform WikiLeaks das Verhalten der 52-jährigen ehemaligen Frisörin, die Ben Ali 1992 in zweiter Ehe heiratete.

Clanchef war Leilas ältester Bruder Belhassen. „Belhassen verkörpert alles, was die Tunesier an den Trabelsis hassen“, heißt es in einer von WikiLeaks veröffentlichten Depesche. So soll der Clanälteste als Drohgebärde in Restaurants gerne seine Pistole auf den Tisch gelegt haben. Ihm gehörten Anteile der wichtigsten Unternehmen des Landes: die Fluglinie Karthago Airlines, Hotels, ein Radiosender, eine Immobilienfirma, eine Fabrik für Lastwagenmontagen und noch einiges mehr.

Ben-Ali-Clan beutete mittlere Küstenregion aus

Besonders dreist führten sich zwei Neffen der ehemaligen First Lady 2006 auf: Sie stahlen auf Korsika die Jacht des französischen Bankdirektors Bruno Roger, die später in Tunesien wieder auftauchte. Einer der Täter, Imad Trabelsi, starb am Freitag als erstes Mitglied des Präsidentenclans gewaltsam: Einer seiner früheren Mitarbeiter soll ihn erstochen haben.

Die Trabelsis teilten sich Tunesien zusammen mit dem Clan von Ex-Präsident Ben Ali auf. Den US-Diplomatenangaben zufolge beutete die Familie der Präsidentengattin die reiche Region um die Hauptstadt Tunis aus. Ben Ali und seine Verwandtschaft beschränkten sich auf die mittlere Küstenregion, wo der ehemalige Staatschef herkommt.

Ehefrau des gestürzten tunesichen Präsidenten Leila Ben Ali

AP/Hassene Dridi

Leila Trabelsi gab sich gerne staatstragend.

Zahlreiche Besitztümer im Ausland

Die beiden Clans besaßen nicht nur ein immenses Vermögen in Tunesien. Im Ausland gebe es auch noch Besitztümer im Wert von Hunderten Millionen Euro, berichtete die Zeitung „Le Figaro“ am Montag. In Argentinien soll der Clan Immobilien besitzen, auch von Dubai und Malta ist die Rede. Ein Anwalt in der Schweiz forderte bereits das Einfrieren des Präsidentenvermögens.

In Frankreich hat die Familie laut „Figaro“ mehrere Millionen Euro auf verschiedenen Konten liegen und besitzt außerdem Wohnungen in einigen schicken Pariser Vierteln, ein Chalet im Wintersportort Courchevel und Villen an der Cote d’Azur. Eine Tochter des Ex-Präsidentenpaares soll sich noch am Wochenende in einem Hotel des Vergnügungsparks Eurodisney bei Paris aufgehalten haben.

Regierung beschließt Generalamnestie

Die Übergangsregierung beschloss unterdessen auf ihrer erste Kabinettssitzung nach der Flucht Ben Alis eine Generalamnestie. Das Parlament muss dem Gesetzesentwurf noch zustimmen. Der Minister für höhere Bildung, Ahmed Ibrahim, sagte, dass die Amnestie auch für die unter Ben Ali verbotene islamistische Partei Ennahda gelte. Diese hatte am Dienstag erklärt, ihre Zulassung beantragen zu wollen.

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