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Details weiter unklar

Ab dem Wintersemester müssen alle Studienwerber vor ihrer erstmaligen Zulassung zu einem Bachelor- oder Diplomstudium eine Studienberatung nachweisen. Das sieht der Entwurf für die Neuregelung der Studieneingangsphase vor. Wer die Beratung durchführen soll und in welcher Form, ist allerdings noch nicht geklärt.

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Mit Blick auf die Zulassungszahlen des laufenden Wintersemesters lässt sich im Gegensatz dazu allerdings bereits die Zahl der Betroffenen abschätzten. Knapp 43.000 wurden im Wintersemester 2009/10 erstmalig zu einem Studium zugelassen. Rechnet man jene dazu, die bei diversen Aufnahmsprüfungen (etwa in Medizin, Veterinärmedizin und Psychologie) gescheitert sind, dürften laut APA rund 50.000 Personen beraten werden müssen.

Wer darf beraten?

Für die Betroffenen stellt sich derzeit aber nicht zuletzt die Frage, wer wen wie beraten soll. Im Gesetzesentwurf bzw. auf APA-Anfrage heißt es, dass die Details durch eine Verordnung des Wissenschaftsministeriums im Einvernehmen mit dem Unterrichtsministerium festgelegt werden. So ist etwa noch nicht klar, ob auch jene Studenten, die ein Studium mit Aufnahmsprüfung anstreben, einen Beratungsnachweis bringen müssen.

Auch die Stellen, die eine Beratung anbieten, stehen den Angaben zufolge noch nicht fest. In den Erläuterungen zum ursprünglichen Begutachtungsentwurf von Dezember 2010 wurden etwa die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH), das Arbeitsmarktservice (AMS), das Wirschaftsforschungsinsitut (WIFI), einzelne Unis, das Programm „Studienchecker“ sowie Studien- und Berufsinformationsmessen genannt.

Das bisherige Service

Außer Frage steht, dass die verpflichtende Beratung einen Ausbau des bisherigen Angebots erfordert: „Studienchecker“ (speziell geschulte Lehrer, die über Studienfächer und andere Ausbildungen informieren und dabei von Psychologen unterstützt werden) gibt es derzeit für rund 7.000 Schüler an 80 der 640 AHS-Oberstufen und berufsbildenden höheren Schulen. Die ÖH beriet im Vorjahr knapp 7.000 Schüler bei Vorträgen an Schulen mit anschließender Fragemöglichkeit in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Dazu kamen noch mehr als 3.000 Anfragen, größtenteils via Telefon oder E-Mail.

Auch in Innsbruck würden seit 2007 jährlich rund 40 Studierende von der lokalen Hochschülerschaft zu Studienberatern ausgebildet und anschließend in Maturaklassen zur Beratung geschickt, so der Wirtschaftsreferent der ÖH Innsbruck, Marcel Nitz, in einer E-Mail an ORF.at. Das Service würde für alle Schulen in Tirol, Vorarlberg und Südtirol angeboten und werde auch von den Schulen stark nachgefragt, so Nitz weiter.

„Offizielle Beratung“ nicht primäre Infoquelle

Bezüglich der Sinnhaftigkeit der neuen Regelung zeigt sich vor allem die ÖH mehr als skeptisch. Laut dem Institut für Jugendkulturforschung hat sich der Großteil der für eine ÖH-Studie befragten Erstsemestrigen und Schüler in Wiener Maturaklassen über das Thema Studium informiert. Primäre Informationsquelle sei hier allerdings nicht die „offizielle“ Studienberatung gewesen, vielmehr die Homepages der Universitäten und Fachhochschulen und bereits studierende Freunde und Bekannte.

Wenig abgewinnen konnten die Befragten offenbar den Ratschlägen ihrer Lehrer. 70 Prozent der Studenten gaben an, dass der Rat ihrer Lehrer für ihre Studienentscheidung unwichtig war. Für knapp 80 Prozent waren dagegen die Berufsaussichten sehr oder eher wichtig, für ebenso viele, dass ihr Studium nicht überlaufen ist.

„Studierende unerwünscht?“

Kritisch betrachtet wird die verpflichtende Studienberatung von der ÖH aber auch mit Blick auf die logistische und finanzielle Durchführbarkeit. Jacqueline Vlay von der ÖH der Uni Graz gab per Aussendung zu bedenken, dass angesichts des erwarteten Ansturms eine ausführliche Beratung, falls wirklich benötigt, künftig nicht mehr mögich sei. Die geplanten zusätzlichen bürokratischen Hürden würden laut Vlay jedenfalls den Eindruck erwecken, „Studierende wären schlichtweg unerwünscht“.

Laut Martin Schott von der ÖH der Universität für Bodenkultur wurde die verpflichtende Studienberatung „ohne Konzept“ gesetzlich vorgeschrieben, obwohl „eine flächendeckende und sinnvolle Beratung“ derzeit in Österreich nicht existiere. Aus diesem Grund verstecke sich hinter der jetzt geforderten Inanspruchnahme einer Studienberatung nicht mehr „als ein Stempel im Sammelpass“.

Von einem „Schritt in die richtige Richtung“ sprach dagegen Rektorenchef Hans Sünkel. Demnach erwartet sich Sünkel von der neuen Studieneingangsphase vor allem eine bessere Planparkeit für die Unis. Gleichzeitig betonte aber auch Sünkel, dass man derzeit nur von einer „Teillösung“ sprechen könne.

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