Sozialer Aufruhr in Tunesien mit vielen Opfern

Die schweren sozialen Unruhen in Tunesien haben offenbar deutlich mehr Todesopfer gefordert als von dem autoritären Regime von Staatschef Zine el Abidine Ben Ali zugegeben.

Die Internationale Föderation der Menschenrechtsligen (FIDH) sprach heute in Paris von mindestens 35 Toten seit dem Wochenende, tunesische Quellen von bis zu 70. In Tunis löste die Polizei heute eine friedliche Demonstration von Künstlern vor dem Stadttheater auf.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verwies auf die „Bedeutung einer allumfassenden Achtung der Redefreiheit“ und drückte seine Besorgnis über die „gewaltsame Eskalation der Auseinandersetzungen“ aus, wie in New York verlautbart wurde. Die Europäische Union forderte die Freilassung der gefangen genommenen Demonstranten. Das österreichische Außenamt warnte Tunesien-Reisende vor einer „hohen Sicherheitsgefährdung“ und riet „zu erhöhter Aufmerksamkeit“.

Das tunesische Regime hatte am Wochenende zunächst von 14 Toten gesprochen. Allein in Kasserine im Mittelwesten des Landes seien aber seither mehr als 50 Menschen getötet worden, sagte der Gewerkschafter Sadok Mahmoudi unter Berufung auf Krankenhausmitarbeiter. „In Kasserine herrscht Chaos.“ Häuser und Geschäfte würden geplündert, die Polizei habe sich zurückgezogen.