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Studentenproteste waren „Startmoment“

„Es waren Tausende Ereignisse, die zusammen zu diesem Moment geführt haben.“ Mit diesen Worten erinnerte der ehemalige tschechische Dissident und Ex-Außenminister Jiri Dienstbier anlässlich des 20. Jahrestages der „Samtenen Revolution“ an die Ereignisse vom 17. November 1989, die das kommunistische Regime binnen weniger Tage zu Fall brachten. Für ihn begann das Ende des Kommunismus jedoch bereits zwanzig Jahre zuvor.

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„Bereits die Niederschlagung des Prager Frühlings war das Ende des Kommunismus in der Mentalität der Menschen“, so Dienstbier, der wegen seiner Beteiligung nach 1968 mit einem Berufsverbot belegt wurde. Nachdem das kommunistische System in der Tschechoslowakei seine Legitimität eingebüßt hatte, sei es für die Menschen nur darum gegangen, zu überleben und bei der nächsten Gelegenheit wieder ihren Willen, frei zu sein, zu zeigen.

Die Studentenproteste Mitte November 1989 waren für Dienstbier daher nur der Startmoment für den Zusammenbruch des Regimes, der auch durch ein anderes Ereignis hätte ausgelöst werden können.

„Andere Manipulationen akzeptiert“

Grundlage des Erfolgs der Studenten, die das kommunistische Regime innerhalb weniger Tage zum Sturz brachten, sei die jahrelange Arbeit der Dissidenten und anderer in der „Grauzone“ sowie die veränderte internationale Entwicklung gewesen. Außerdem hätten die Dissidenten der Satellitenstaaten in Ostmitteleuropa besser zusammengearbeitet, nachdem „wir nach dem Prager Frühling verstanden hatten, dass Opposition in einem Land allein nie zum Erfolg führen kann, weil all diese Versuche immer niedergeschlagen würden“.

Und doch sei laut Dienstbier nicht alles so gelaufen, wie es sich die Dissidenten damals vorgestellt hätten: „Ich hatte mir gedacht, dass die Leute nach dem Ende des Kommunismus die Nase voll haben von der Manipulation, dem Populismus und solchen Dingen, aber das war ein Fehler, denn die Menschen haben einfach andere Manipulationen und anderen Populismus akzeptiert, anstatt die Gesellschaft auf den kulturellen und moralischen Werten der Vergangenheit aufzubauen.“

Sie hätten angefangen, sich für die Konsumgesellschaft und für mehr Wohlstand und Konsumgüter zu interessieren, was auch verständlich sei, wenn man bedenke, dass sie es vorher für ein halbes Jahrhundert nicht konnten.

„Leben in einer völlig anderen Welt“

Wenn er auch nicht mit allem in der Entwicklung der vergangenen 20 Jahre zufrieden sei, sei doch das Wichtigste, dass es im Gegensatz zur Zeit vor 1989 eine Chance gebe, die Entwicklung der Dinge zu beeinflussen. „Jetzt hängt es von uns ab, ob wir die Dinge positiv oder negativ beeinflussen“, betonte Dienstbier vor zwei Jahren im APA-Gespräch.

Die Erinnerung an das Jahr 1989 hielt Dienstbier dabei für wichtig, da es sich um ein positives Ereignis der tschechischen Geschichte handelte: „Wenn wir unsere Identität aufbauen wollen, ist es besser, diese auf positive Erinnerungen zu bauen als auf Angst und Niederlagen in der Geschichte.“ Von Vergangenheitsbewältigung der kommunistischen Geschichte Tschechiens hielt Dienstbier allerdings wenig: „Ich mag diese Vergangenheitsbewältigung überhaupt nicht. Wir leben in einer völlig anderen Welt, es besteht keine Gefahr des Kommunismus mehr.“

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