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Attentäter zündete Bombe in Auto

Mindestens 21 Menschen sind am Samstag bei einem Selbstmordattentat vor einer Kirche koptischer Christen im ägyptischen Alexandria ums Leben gekommen. 43 weitere wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Darunter seien auch muslimische Passanten gewesen, hieß es. Nach dem Anschlag kam es zu Ausschreitungen zwischen Christen und der Polizei.

Der Terrorist schlug zu, als die rund 1.000 Teilnehmer einer Neujahrsmesse die St.-Markus-und-Petri-Kirche im Stadtteil Sidi Beschr verließen. „Ich war drinnen und habe eine starke Explosion gehört“, sagte der koptische Priester Mena Adel. „Menschen standen in Flammen.“ Der Selbstmordattentäter hatte sich in einem vor der Kirche geparkten Auto selbst in die Luft gesprengt.

Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten. Sie machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner im überwiegend muslimischen Ägypten aus.

Das christliche Gotteshaus wurde durch die Explosion beschädigt. Der Sprengsatz war in einem Auto vor der Kirche versteckt gewesen. Die Terroristen hätten etwa 100 Kilogramm Sprengstoff benutzt, hieß es. Wütende Christen bewarfen nach dem Anschlag eine Moschee in der Nähe mit Steinen. Die Polizei trieb die Menge auseinander.

Hunderte wütende Demonstranten formierten sich in mehreren kleinen Gruppen und schleuderten Steine sowie Flaschen gegen die um den Anschlagsort postierten Sicherheitskräfte, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Die Sicherheitskräfte schossen mit Tränengas und Gummigeschossen zurück. „Feige Terroristen - das Blut der Kopten ist nicht umsonst“, riefen die Demonstranten.

Gouverneur macht Al-Kaida verantwortlich

Der Gouverneur von Alexandria, Adel Labib, sagte dem staatlichen Fernsehen, das Gebiet um den Anschlagsort sei abgesperrt worden. Die Suche nach den Attentätern laufe auf Hochtouren. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Labib gab umgehend dem Terrornetzwerk Al-Kaida die Schuld an der Tat. Nähere Erläuterungen erfolgten dazu aber nicht.

Präsident Hosni Mubarak rief alle Ägypter, ob Christen oder Muslime, auf, sich gemeinsam dem Terrorismus und allen zu widersetzen, die die Sicherheit und Einheit des Landes bedrohten.

Polizisten hinter einer Absperrung sichern die Anschlagstelle mit einem zerstörten Auto.

Reuters/Amr Abdallah Dalsh

Das Wrack vor der Kirche, in dem der Sprengsatz deponiert war

Mubarak rief zu Einheit auf

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak rief alle Ägypter, ob Christen oder Muslime, auf, sich gemeinsam dem Terrorismus und allen zu widersetzen, die die Sicherheit und Einheit des Landes bedrohten. Seine Behörden würden dafür sorgen, dass die Täter aufgespürt würden und „dem Terrorismus der Arm abgehackt“ werde. Auch das amtliche Islam-Institut Al-Azhar und die oppositionelle islamische Moslembruderschaft verurteilten den Anschlag.

Die Herrscher und Präsidenten der anderen arabischen Länder zeigten gleichfalls Abscheu für die Terrortat. Entsprechende Botschaften trafen von König Abdullah II. von Jordanien, vom Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan, vom saudischen Königshof und aus Kuwait und Katar in Kairo ein.

Papst ruft zum Schutz der Christen auf

Papst Benedikt XVI. forderte nach dem Anschlag die Regierungen weltweit dazu auf, Christen in ihrem Land besser zu schützen. Die Regierungen müssten mit „konkretem und dauerhaftem Engagement“ und nicht nur mit Worten gegen Diskriminierung und religiöse Intoleranz vorgehen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Er appelliere „eindringlich“, sich bei dieser „schwierigen Mission“ nicht entmutigen und einschüchtern zu lassen.

Spannungen zwischen Christen und Muslimen

Die gleiche Kirche in Alexandria war bereits 2006 in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein Messerstecher Gottesdienstbesucher angegriffen hatte. Nur etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Im Jänner 2009 hatten muslimische Fanatiker vor einer Kirche in Oberägypten acht koptische Christen und einen muslimischen Polizisten erschossen. Im November kam es zu Zusammenstößen, als Christen gegen einen Baustopp für eine Kirche in einer Vorstadt von Kairo protestierten. Ein Christ kam ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Dutzende wurden festgenommen.

Zuletzt warfen Muslime in Ägypten der koptischen Kirche vor, zwei Frauen festzuhalten, die zum Islam übertreten wollten, um ihre Ehen scheiden lassen zu können. In den vergangenen Monaten nutzten Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida diese Anschuldigungen zum Vorwand für Anschläge auf Christen im Irak.

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