Nur jede zweite Nebenstraße geräumt
Nach einem der heftigsten Schneestürme seit Jahrzehnten kämpft New York immer noch gegen die Schneemassen an. Viele Straßen sind nach wie vor nicht geräumt, und das sorgt vor allem bei Rettungseinsätzen für zahlreiche Probleme. Ähnlich chaotisch ist auch die Situation auf den drei New Yorker Flughäfen, wo immer noch Tausende Passagiere lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
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Im „Big Apple“ herrscht Stille. Wo sich normalerweise der Verkehr durch die Millionenstadt wälzt, kämpfen sich Fußgänger durch fast kniehohen Schnee. Besonders Kreative haben sich Langlaufski angeschnallt, um schneller voranzukommen. Denn auch drei Tage nach dem Schneefall sind immer noch nicht alle Straßen vom Schnee befreit. Laut Angaben des Schneeräumdienstes sollen zwar 99 Prozent der wichtigsten Verkehrsverbindungen zumindest einmal mit einem Schneeräumgerät abgefahren worden sein, doch nur jede zweite Nebenstraße.

Reuters/Mike Segar
Schnee türmt sich entlang der geräumten Straßen.
200 Rettungswagen steckten fest
Bei Schneemengen von 50 Zentimetern ist ohne Schneepflug ein Weiterkommen so gut wie unmöglich. Autofahrer, die von den Schneemassen am Sonntag überrascht worden waren, haben vielfach ihre Autos einfach zurückgelassen und sind zu Fuß weitergegangen. Die steckengebliebenen Fahrzeuge machen nun der Schneeräumung das Leben besonders schwer. Kritisch ist die Lage vor allem für Rettungsfahrten. Am Dienstag blieben laut Angaben der Stadtverwaltung bis zu 200 Ambulanzen stecken, wie die Zeitung „New York Times“ („NYT“) berichtete.
Wie dramatisch die Situation ist, zeigen Aufzeichnungen der Notrufstelle 911. So rief eine schwangere Frau Montagfrüh einen Rettungswagen nach Brooklyn, als ihre Wehen einsetzten. Erst um 16 Uhr am Nachmittag traf der Rettungsdienst schließlich bei ihr ein. Für das Baby kam jede Hilfe zu spät. Am Dienstag verzeichneten die Notrufstellen 1.300 Anrufe, die nicht sofort bearbeitet werden konnten, weil keine Fahrzeuge zur Verfügung standen.
Fehlerhafte Kommunikation bei Räumdiensten
Bürgermeister Michael Bloomberg verteidigte am Dienstag die Maßnahmen der Stadt nach dem Schneesturm. Die Befreiung von festhängenden Rettungsfahrzeugen hätte oberste Priorität, zitierte die „NYT“ den Bürgermeister. Doch immer wieder sorgten nicht geräumte Straßen dafür, dass Rettungsfahrzeuge wieder in Sackgassen gerieten. Hintergrund für die Probleme war eine falsche Kommunikation innerhalb der Straßenmeisterei. Jedes Räumfahrzeug meldet eine abgefahrene Straße als „sauber“. Durch den Sturm wurden die Fahrbahnen jedoch meist rasch wieder zugeweht. In den Computern der Stadt wurden die Strecken aber unter „nicht mehr zu räumen“ geführt.
100 Dollar für Schneeschaufeln mit 50 Cent
Damit blieb auch Prominenten nichts anderes übrig, als selbst zur Schaufel zu greifen. So bot US-Rapper 50 Cent seine Dienste für 100 Dollar (75 Euro) via Twitter an. Für ein paar Extradollar sei er auch bereit, sich dabei fotografieren zu lassen, ließ der Musiker über dem Kurznachrichtendienst wissen. Zudem engagierte er nach eigenen Angaben ein paar Nachbarskinder für einen Stundenlohn von 30 Dollar und organisierte die Arbeit für sie.
Stundenlanges Warten auf Flughäfen
Im New Yorker Flugverkehr ging es ähnlich konfus zu wie auf den Straßen. Am Mittwoch mussten Passagiere immer noch lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Zwar waren die drei Flughäfen John F. Kennedy, La Guardia und Newark seit Montagabend wieder in Betrieb, doch mussten am Dienstag an der Ostküste erneut rund 800 Flüge gestrichen werden, wie die Behörden mitteilten. Am John-F.-Kennedy-Flughafen kam es zu fünfstündigen Verspätungen, in Newark mussten die Passagiere oft bis zu drei Stunden warten.
Eine British-Airways-Maschine aus London soll laut CNN am Dienstag sieben Stunden lang auf dem Rollfeld gestanden haben, bevor die Passagiere endlich aussteigen durften, weil es keine verfügbaren Gates mehr gegeben hatte. Betroffen waren dabei auch viele Passagiere, die den Jahreswechsel im „Big Apple“ feiern wollen. Für sie dürfte der Rutsch ins neue Jahre beschwerlich werden, denn laut Behörden ist mit einer kompletten Entspannung erst im neuen Jahr zu rechnen. Und auch das nur dann, wenn das Wetter mitspielt.
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