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Medwedew fordert Aufklärung

Das Chaos auf den internationalen Flughäfen in Moskau hat den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew auf den Plan gerufen. Er beauftragte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika, die Arbeit der Flughäfen in der russischen Hauptstadt zu überprüfen, wie der Kreml am Dienstag mitteilte.

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Auf dem größten Flughafen Domodedowo und auf dem Flughafen Scheremetjewo warteten unterdessen Tausende auf ihren Abflug. Wegen Eissturms in Zentralrussland am Wochenende geriet der Flugplan völlig durcheinander. 20.000 Passagiere seien betroffen, hieß es. Experten der Moskauer Staatsanwaltschaft sollen die Abläufe auf den Flughäfen unter die Lupe nehmen, wie ein Behördensprecher sagte. „Es geht darum, die Rechte der Passagiere zu schützen“, hieß es.

Passagiere vor einer Anzeigetafel für Abflüge

Reuters/Mikhail Voskresensky

Der Blick auf die Anzeigetafel verheißt nicht Gutes.

Zwölf Euro für eine Flasche Wasser

Auf dem Flughafen Scheremetjewo griffen wütende Reisende Angestellte der größten russischen Fluglinie Aeroflot an. „Mehrere Offizielle wurden geschlagen, als sie mit den Fluggästen verhandelten“, sagte ein Aeroflot-Mitarbeiter der Agentur Ria Nowosti. Nun trauten sich die Mitarbeiter nicht mehr hinaus, da ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei. Ein Scheremetjewo-Sprecher dementierte hingegen die Krawalle. „Die Polizeieinheiten wurden verstärkt“, räumte er jedoch ein.

Die Fluggesellschaften geben dem Airport-Betreiber die Schuld an dem tagelangen Chaos. So verzögere sich der Abflug einer Maschine nach London seit Montag, da das Bodenpersonal es nicht schaffe, Passagiere und Gepäck zu organisieren, kritisierte British Airways. Hingegen beklagte sich der Scheremetjewo-Sprecher heftig über die Informationspolitik von Aeroflot, die dort ihre Basis hat. „Die Passagiere wissen nicht, wohin sie gehen sollen.“ Zahlreiche Reisende beklagten sich, sie hätten weder Essen noch Getränke erhalten.

Einige Geschäftsinhaber machten sich die Lebensmittelknappheit auf dem Flughafen zunutze. Bis zu 500 Rubel koste eine Flasche Wasser, berichteten aufgebrachte Passagiere dem Radiosender Echo Moskvy. Das sind über zwölf Euro.

20 Kilometer Stau auf Zubringerstraßen

Auf dem Flughafen Domodedowo war infolge von Blitzeis am Wochenende der Strom ausgefallen. Hunderte Flüge fielen aus. Mehrere Flüge wurden zum dritten Hauptstadt-Airport Wnukowo umgeleitet. Auf den Zubringerstraßen staute sich der Verkehr teilweise bis zu 20 Kilometer. Für den russischen Winter ungewöhnlich milde Temperaturen mit Eisregen statt Schnee hatten für Chaos im Verkehrsnetz gesorgt.

Schlafende Passagiere am Moskauer Flughafen Domodedovo

Reuters/Mikhail Voskresensky

Schlafende Passagiere auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo

Laut einer von Interfax zitierten Flugreisenden herrschte auf dem Flughafen eine schlechte Belüftung, zeitweise gab es auf den Toiletten kein Wasser. Auch Stromausfälle machten den Wartenden zu schaffen. Am Dienstag gab es wieder Strom in Domodedowo. „Man kann jetzt von einer vollständigen Normalisierung in den Passagierbereichen sprechen“, sagte Flughafensprecherin Elena Galanowa gegenüber Echo Moskvy.

Prügeleien zwischen Passagieren

Allerdings gab es laut einem Gewerkschaftsvertreter Piloten, die sich weigerten, abzufliegen, weil sie durch die Wartezeit auf dem Flughafen bereits beinahe die zulässige tägliche Arbeitszeit von zwölf Stunden erreicht hatten. Darüber hinaus empfahl der russische Verkehrsminister Igor Lewitin den Flughafenverwaltungen, alle Flüge von Moskau nach St. Petersburg zu streichen. „Wir denken, die Leute können stattdessen mit dem Zug befördert werden“, sagte er der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

An den Einstiegsbereichen kam es zu Prügeleien zwischen Passagieren, die sich um einen Platz im Flugzeug stritten, wie die russische Presse berichtete. So machten laut Interfax Dienstagfrüh Passagiere in Scheremetjewo ihrer Wut bei einer Rauferei Luft - ihr Flug war zum wiederholten Mal verschoben worden. Ein auf dem Internetportal YouTube veröffentlichtes Video zeigte eine Protestszene auf dem Flughafen Scheremetjewo. Darin sind Hunderte Passagiere zu sehen, die im Boardingbereich auf dem Fußboden sitzen und „Schämt Euch!“ rufen. Anwesende Sicherheitskräfte schreiten nicht ein.

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