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Wäre „harter Schlag“

Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der Millionenmetropole soll im kommenden Jahr halbiert werden. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ gilt die Entscheidung der Stadtregierung als richtungsweisend für die Verkehrspolitik des gesamten Landes. Autohersteller fürchten einen empfindlichen Dämpfer.

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Als Reaktion auf die massiven Verkehrsstaus in der chinesischen Hauptstadt Peking haben die Behörden eine drastische Beschränkung von Fahrzeugzulassungen beschlossen. Im kommenden Jahr werde Peking nur noch 240.000 Autos eine Zulassung ausstellen, sagte der Generalsekretär des Pekinger Stadtrats, Zhou Zhengyu, vergangene Woche. Damit solle das zusätzliche Verkehrsaufkommen 2011 um zwei Drittel gesenkt werden. Seit Freitag gilt nun ein Verteilungssystem, das Autofahrern Kennzeichen in einer Art Lotterie zuteile.

Bis zu fünf Prozent Kursverlust

Sofort nach Bekanntwerden dieser Nachricht sackten die Kurse chinesischer Autobauer ein. Am Montag wirkte sich die Ankündigung dann auch auf die großen deutschen Autohersteller aus: Die Kurse der Papiere von Volkswagen, BMW und Daimler fielen am Montagvormittag in der Spitze um bis zu fünf Prozent, nachdem das „Handelsblatt“ über die Pläne berichtet hatte. Schlusslicht war die VW-Aktie mit einem Minus von 5,07 Prozent auf 121,60 Euro.

Autobauer verdanken Aufwind China

„Der Boommarkt China ist gerade für die deutschen Autobauer ein sehr wichtiger Absatzmarkt“, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. „Absatzrestriktionen würden einen harten Schlag bedeuten.“ Laut „Handelsblatt“ haben nicht nur die Autobauer, sondern auch alle großen deutschen Zulieferer mit globaler Präsenz wie etwa Bosch oder ZF ihre schnelle Erholung im Jahr 2010 vor allem dem raschen Comeback des chinesischen Marktes zu verdanken.

Die positiven Prognosen für 2011 würden alle unter dem Vorbehalt gegeben, dass es keinen Einbruch in China gebe. ZF-Chef Hans-Georg Härter etwa hatte vor nicht einmal zwei Wochen betont, dass die starke Abhängigkeit deutscher Premiumautobauer von China ein Risiko für die weitere Entwicklung berge. Die deutschen Autobauer investieren Milliarden in den chinesischen Markt. „Das bemerkenswerte Fertigungsplus ist zum größten Teil auf die starke Nachfrage in China und anderen Schwellenländern zurückzuführen“, schreibt Felix Kuhnert, Leiter des Bereichs Automotive bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers laut dem „Handelsblatt“.

DAX gibt deutlich nach

Insgesamt gab der Dax bis zum Nachmittag um 1,43 Prozent auf 6956,51 Punkte nach und sackte damit wieder unter die psychologisch wichtige 7.000-Punkte-Marke. Deutsche Autowerte hatten im Börsenjahr 2010 zu den großen Gewinnern im DAX gezählt - vor allem wegen ihres Erfolgs in China und anderen Schwellenländern.

Die im Voraus angekündigten Beschränkungen hatten einen wahren Run auf die Zulassungsstellen ausgelöst. Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wurden allein in der vergangenen Woche 30.000 Wagen neu zugelassen - mindestens dreimal so viele wie sonst.

Branche vorerst gelassen

Die Autobauer geben sich vorerst jedoch gelassen: Der Premiumanbieter Daimler, dessen Modelle vor allem bei der neuen Oberschicht im „Superschwellenland“ der chinesischen Ostküste gut ankommen, sieht seine Prognose von zweistelligen Zuwächsen nicht in Gefahr: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es zu früh, über Auswirkungen auf den gesamtchinesischen Automarkt zu sprechen.“

Eine BMW-Sprecherin erklärte, die in Peking geplante Beschränkung der Neuzulassungen wäre nicht die erste in chinesischen Metropolen und sei daher keine große Überraschung. Bisherige Beschränkungen hätten sich nicht auf BMW ausgewirkt. Man werde dies auch im aktuellen Fall beobachten, sehe aber bisher keinen Grund zur Beunruhigung. „Die Details der Umsetzung sind entscheidend“, sagte die Sprecherin.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) hielt an seinem grundsätzlichen Optimismus fest: „China wird für die deutsche Automobilindustrie ein wichtiger Wachstumsmarkt bleiben.“ Lokale Einschränkungen dürften nicht überbewertet werden - obschon sich der Boom auf dem chinesischen Markt laut VDA-Prognose abkühlt.

Täglich 2.000 neue Zulassungen

Die Straßen Pekings sind chronisch verstopft - und es wird immer schlimmer. So sind dort offiziellen Angaben zufolge fast fünf Millionen Fahrzeuge zugelassen, im Jahr 2005 waren es erst etwa drei Millionen. Täglich sind in der 17-Millionen-Einwohner-Metropole etwa 2.000 neue Wagen unterwegs. Um dem Verkehrschaos Herr zu werden, hatten Behörden wiederholt Verkehrsbeschränkungen erlassen. So müssen Autofahrer je nach Kennzeichenfolge einen autofreien Tag einhalten. Viele wohlhabende Chinesen überlisten das System jedoch, indem sie sich einen Zweitwagen zulegen.

China ist während der Wirtschaftskrise zum größten Automarkt der Welt aufgestiegen: 2009 lag der Absatz landesweit bei 13,6 Millionen Einheiten, für 2010 erwartet der Verband der Autohersteller laut „Handelsblatt“ einen Anstieg von 15 Millionen. Das Wachstum war nach Einführung einer Abwrackprämie und anderer Kaufanreize in den vergangenen zwei Jahren außerordentlich stark gestiegen. Auch der Verband erwartet nun eine Normalisierung.

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