„Erhebliche Verzögerungen“
Nach einer anfangs ruhigen Nacht hat plötzlich einsetzender Schneefall auf dem deutschen Großflughafen Frankfurt Dienstagfrüh für einen neuerlichen Stillstand gesorgt. Laut Flughafenleitung konnte der betrieb mittlerweile wieder aufgenommen werden - entgegen den Erwartungen ist nun allerdings weiterhin mit erheblichen Behinderungen zu rechnen.
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Der Flughafen war laut einem Sprecher wegen des Schneechaos um 5.06 Uhr komplett gesperrt worden. Danach wurde nur eine der drei Bahnen freigegeben. Auch im Laufe des Tages ist noch mit erheblichen Behinderungen und Flugausfällen zu rechnen. Der Winterdienst befinde sich im Dauereinsatz und setze alles daran, die Start- und Landebahnen eis- und schneefrei zu halten, so der Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, Jürgen Harrer.
Er hatte zuvor gesagt, dass die neuerlichen massiven Niederschläge nicht vorhergesagt waren. Nun sei auch am Dienstag „mit erheblichen Verzögerungen und Flugausfällen“ zu rechnen, womit Tausende gestrandete Passagiere auf eine Geduldprobe gestellt werden dürften. Aufgrund der „voll ausgelasteten“ Gepäckförderanlage ist zudem mit Problemen beim Check-in zu rechnen. Laut Harrer ist es nun wichtig, sich bestmöglich um die Passagiere zu kümmern und sie wie an den Tagen zuvor mit Getränken und Snacks zu versorgen.
300 Flüge gestrichen
Da der Schneefall inzwischen aufgehört hat, rechnet man laut einem Sprecher zwar bald wieder mit Normalbetrieb. Dennoch mussten dem Sprecher zufolge 300 von 1.300 geplanten Flügen annulliert werden. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es wetterbedingt große Flugausfälle auf Deutschlands größtem Airport gegeben. Die Lufthansa rief ihre Passagiere erneut dazu auf, nach Möglichkeit auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. „Wir gehen davon aus, dass es heute wieder zu sehr massiven Behinderungen kommt“, sagte ein Sprecher. Langstreckenflüge müssten auf andere Flughäfen umgeleitet werden. Das bringe den Flugplan durcheinander.

APA/EPA/Boris Roessler
Notschlafstellen auf dem Flughafen Frankfurt
Leichte Entwarnung gab es unterdessen bei der Deutschen Bahn. Bis auf „einzelne Ausrutscher“ sei der Bahnverkehr stabil mit witterungsbedingten kleineren Verspätungen, sagte ein Sprecher Dienstagfrüh in Frankfurt. Ob und wie sich die Situation auf dem Frankfurter Flughafen auf den Schienenverkehr auswirken werde, konnte er zunächst nicht einschätzen.
Auf Deutschlands größtem Flughafen mussten am Montag rund 300 von gut 1.300 geplanten Flügen gestrichen werden. Am Sonntag waren auf dem Flughafen wegen des starken Schneefalls rund 600 von 1.400 Flügen ausgefallen. In den Terminals, in denen Tausende Menschen auf ihre Flüge warteten, gab es vereinzelt Auseinandersetzungen zwischen Passagieren.
Weihnachtspackerln bleiben liegen
Wegen des Schneechaos in Teilen Deutschlands bleiben auch zahlreiche rechtzeitig aufgegebene Sendungen auf der Strecke. Laut Michael Homola von der Österreichischen Post AG wurde auf dem Frankfurter Flughafen am Dienstag „ein Embargo erlassen. Es wird nichts mehr angenommen.“ Problematisch sei das für „praktisch alle Länder Europas“.
Die Deutsche Bahn ändert kurzfristig ihre Fahrpläne auf wichtigen Fernverkehrsstrecken. Sie reagiert damit auf den starken Zustrom von Reisenden, deren Flüge wegen des Winterwetters ausfallen oder die nicht mit dem Auto fahren wollen. Wie die Bahn am Dienstag mitteilte, sollen von Mittwoch an bis voraussichtlich zum Jahresende zusätzliche Intercity-Züge auf den Nord-Süd- und Ost-West-Routen eingesetzt werden. Dafür werden die Strecken anderen, weniger ausgelasteter IC-Linien zum Teil verändert, zum Teil werden auf diesen Verbindungen ersatzweise Regiozüge eingesetzt.
Gelockertes Nachtflugverbot in London
Trotz Wiederaufnahme des Flugbetriebes ist unterdessen auch auf Europas größtem Flughafen London-Heathrow weiter mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. Laut Medienberichten mussten Dienstagfrüh zwei Drittel aller Flüge gestrichen werden.
Um die gestrandeten Passagiere schneller an ihr Ziel bringen zu können, wurde nun das Nachtflugverbot gelockert. Das kündigte Premierminister David Cameron an. „Ich bin im Namen aller, die betroffen sind, frustriert, dass es so lange gedauert hat, die Situation zu verbessern“, sagte Cameron. Landungen werden durch diese Regelung die ganze Nacht über erlaubt. Wegen Überfüllung mussten am Montag zwei Terminals des Airports geschlossen werden. Auch in Deutschland erwog Verkehrsminister Peter Ramsauer bereits eine Lockerung des Nachtflugverbotes.
„Es tut mir leid“
Der britische Flughafenbetreiber BAA warnte aber weiter vor Ausfällen und Verspätungen. Das Chaos könne über Weihnachten hinaus anhalten. Bis Mittwoch könne „höchstens ein Drittel“ der ursprünglich geplanten Flüge abgewickelt werden, teilte BAA mit. Tausende Menschen campieren in den Terminals, andere harren in Hotels aus. Mit Blick auf die zunehmende Kritik an den Zuständen in Heathrow entschuldigte sich der Chef der Betreibergesellschaft BAA, Colin Matthews, bei den Betroffenen, denen das Wetter bei ihren Weihnachtsferienplänen möglicherweise einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Reuters/Toby Melville
Seit Tagen dominieren gestrichene Flüge die Anzeigetafeln in Heathrow.
Die Schließung des Drehkreuzes in London hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So mussten in Brüssel rund 1.500 Passagiere eine zweite Nacht im Terminal verbringen, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten. In Heathrow selbst schliefen die Fluggäste teils auf Isolierfolien im Transitbereich. Viele Reisende versuchten auf anderen Wegen die „Flucht“ aus Großbritannien. Die Kanalfähren meldeten eine deutlich erhöhte Zahl von Passagieren ohne Auto. Vor dem Terminal des Eurostar-Zuges in der Londoner Innenstadt bildeten sich Warteschlangen von bis zu einem Kilometer Länge.
Pariser Flughäfen wieder in Betrieb
So wie in Heathrow konnte auch auf den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle am Montag der Betrieb wieder aufgenommen werden. Viele Flüge starteten aber auch am Dienstag mit Verspätungen. Auf den beiden Flughäfen waren nach erheblichen Schneefällen am Vortag mehr als 3.000 Reisende festgesessen. Die Air France bezifferte die Kosten durch die schneebedingten Ausfälle im Dezember allein für den Pariser Großraum auf 25 bis 35 Millionen Euro.
Neuschnee führte am Dienstag auch zu einem Verkehrschaos in Belgien. Auf dem internationalen Flughafen Brüssel-Zaventem fielen zahlreiche Flüge aus, andere verspäteten sich. Der Brüsseler Flughafen teilte aber mit, entgegen ersten Mitteilungen gebe es für die meisten Flüge am Dienstag doch ausreichend Enteisungsmittel. Am Montag hatte es zunächst geheißen, ein Mangel an Enteisungsmittel werde bis Mittwoch keine Starts auf internationalen Flughafen der belgischen Hauptstadt zulassen.
Schnee auch in Irland
Dienstagmittag musste wegen Schneefällen der Flughafen in der irischen Hauptstadt Dublin seinen Betrieb einstellen. Fluggäste wurden angewiesen, sich vor der Anreise zum Dubliner Airport bei ihren Fluglinien zu melden.
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