Krise verschärfte Problem weiter
Die Einkommensschere in Österreich geht immer weiter auseinander. In dem vom Sozialministerium am Mittwoch veröffentlichten Sozialbericht wird das mit aktuellen Zahlen der Nationalbank untermauert. Zehn bis 20 Prozent der Österreicher verfügen über den Großteil des Immobilien- und Geldvermögens, die restlichen 80 Prozent über wenig bis gar nichts, berichtete am Mittwoch das Ö1-Mittagsjournal.
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Die Wirtschaftskrise verschärfte diese Kluft noch. Beim Immobilienvermögen wird die ungleichmäßige Verteilung von Eigentum besonders deutlich. Laut den Daten der Nationalbank besitzen 20 Prozent aller Haushalte 75 Prozent des Immobilienvermögens. Umgekehrt besitzen 41 Prozent der Haushalte gar kein Immobilienvermögen. Auch bei Sparbüchern ergibt sich eine ähnliche Diskrepanz, so das Ö1-Mittagsjournal weiter. Einlagen über 50.000 Euro liegen auf nur zwei Prozent aller Sparbücher. Auf diese kleine Gruppe entfällt ein Drittel aller Spareinlagen.
Vermögenserträge stiegen stärker als Gehälter
Die Wirtschaftskrise traf auch die Vermögenden. 2009 brachen die Einkommen aus Vermögen von 33 Milliarden Euro auf 16 Milliarden Euro ein. Aber im Durchschnitt über neun Jahre wuchsen die Erträge aus Vermögen und Unternehmen dennoch stärker als die Arbeitnehmerentgelte. 3,2 Prozent betrug der durchschnittliche Anstieg der Löhne und Gehälter, vier Prozent jedoch der Anstieg bei Erträgen aus Vermögen und Unternehmen. Konkret erhalten laut „Standard“ 20 Prozent der Arbeitnehmer 47 Prozent des gesamten Einkommens, vor 30 Jahren waren es „nur“ 40 Prozent. Der Anteil der untersten 20 Prozent schrumpfte im Gegenzug von 4,8 auf 2,1 Prozent - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Familien besonders gefährdet
Stark von Armut betroffen sind Familien. Laut dem „Standard“ belegt der Sozialbericht, dass jeder fünfte Haushalt mit mindestens drei Kindern von Armut bedroht ist, und das, obwohl die Folgen von Krise und Kürzungen der Familienleistungen noch nicht eingerechnet sind. Überdurchschnittlich betroffen sind auch Haushalte mit mindestens einem Nicht-EU-Ausländer (26 Prozent) und vor allem Alleinerzieher (29 Prozent), wie die Zeitung weiter berichtet.
„Sozialtransfers leisten einen großen Beitrag zur Verringerung von Armutsgefährdung“, so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Mittwoch in einer Aussendung. Ohne Sozialleistungen wäre die Armutsgefährdung mehr als dreimal höher und würde deutlich über drei Millionen Menschen betreffen.
Caritas: Vermögende stärker in Pflicht nehmen
Der jüngste Sozialbericht mache den Reformbedarf in vielen politischen Bereichen offenkundig, „die Regierung muss endlich ambitioniert die Weichen für die Zukunft stellen“, so Caritas-Präsident Franz Küberl am Mittwoch. Statt mit dem Sparpaket ohnehin benachteiligte Gruppen zu belasten, gelte es, Vermögende stärker in die Pflicht zu nehmen.
Der neue Sozialbericht bestätige mit dem Anstieg der Armutsbetroffenen die täglichen Erfahrungen der Mitarbeiter in den Sozialberatungsstellen der Volkshilfe, so der Präsident der Volkshilfe Österreich, Josef Weidenholzer.
Haubner: Fatales Signal
„Der Sozialbericht bringt unangenehme Fakten zu Tage“, so Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen. „Sowohl Vermögen als auch Einkommen der reichsten zehn Prozent sind deutlich gestiegen, während die ärmsten zehn Prozent weiter an Einkommen verloren haben. Kein Wunder also, dass die Präsentation des Sozialberichts heuer so verschämt ausgefallen ist.“
Der Sozialbericht belege wieder einmal, dass gerade Kinder, Familien und Alleinerzieherinnen stark armutsgefährdet sind, kritisierte BZÖ-Sozialsprecherin Ursula Haubner. „Es ist daher ein fatales Signal, dass nur ein Zehntel der Sozialausgaben auf Familienleistungen ausfällt“, so Haubner.
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