Auch Blatter für Verschiebung
Mit der Vergabe der Fußball-WM 2022 an das kleine Emirat Katar hat der Weltfußballverband (FIFA) weltweite Kritik auf sich gezogen. Für Kopfschütteln sorgte nicht nur die Tatsache, dass ein lediglich rund 11.400 Quadratkilometer großes 1,7-Millionen-Einwohner-Land das weltgrößte Sportereignis ausrichten soll. Nicht mehr ausgeschlossen ist unterdessen eine Verschiebung der WM in den kühleren Winter.
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Angesichts von Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius mehrten sich zuletzt die Stimmen, die eine Verlegung der WM in den Winter fordern. Nach einem anfänglichen klaren Nein zeigt sich mittlerweile FIFA-Chef Joseph Blatter offen für eine Verschiebung der WM. Wie der Schweizer im Rahmen einer Pressekonferenz in Abu Dhabi bekanntgab, trete er vielmehr persönlich für die Austragung der WM 2022 in Katar in der kälteren Jahreszeit ein. „Ich unterstütze den Plan, hier im Winter zu spielen“, so Blatter.
„Denke an die Fußballer“
Er wolle dann spielen, wenn die klimatischen Bedingungen am angemessensten wären. Im WM-Gastgeberland 2022 herrschen im Sommer hohe Temperaturen. „Ich denke dabei an die Fußballer. Nicht nur an die Fans, sondern an die Hauptdarsteller“, sagte der mächtige FIFA-Präsident. Erneut verteidigte Blatter den umstrittenen Beschluss, Katar als Ausrichter zu wählen. „Wir öffnen den Fußball einer neuen Welt und einer neuen Kultur. Die islamische Welt umfasst eine Milliarde Menschen“, betonte Blatter. Würde es der FIFA nur ums Geld gehen, sagte der FIFA-Präsident weiter, „hätte die WM an die USA vergeben werden müssen“.
Platini: Winter-WM möglich
Der Forderung nach einer Winter-WM stand auch der Präsident des Europäischen Fußballverbandes (UEFA), Michel Platini, offen gegenüber. Gleichzeitig erinnerte Platini aber daran, dass die WM 1994 in den USA bei ähnlichen Temperaturen über die Bühne gegangen sei: „In Dallas war es 45 Grad heiß, wenn ich mich nicht irre, und niemand hat die USA damals kritisiert.“
Mit Peter Velappan forderte unter anderen auch der langjährige Generalsekretär des Asiatischen Fußballverbands (AFC) von der FIFA eine Verlegung der WM 2022 in den Winter. Velappan sagte, es sei „keine Lösung“, die Stadien und Trainingsplätze mit Klimaanlagen herunterzukühlen. Er warnte, dass einige europäische Mannschaften das Turnier wegen der Hitze boykottieren könnten. Zuvor hatte sich mit Franz Beckenbauer bereits ein prominentes Mitglied der FIFA-Exekutive für eine Winter-WM in Katar ausgesprochen.
Spiele auch außerhalb Katars?
Mit dem jordanischen Prinzen Ali wird diese Forderungen auch aus dem arabischen Raum unterstützt. Ali, der einen Sitz im FIFA-Exekutivkomitee anstrebt, plädiert demnach für eine WM im milderen Jänner und äußerte Verständnis für die Bedenken aus England und anderen Ländern.
Zudem forderte der 34-Jährige, WM-Spiele nicht nur in Katar austragen zu lassen. Als mögliche Standorte nannte Ali Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und eventuell Saudi-Arabien. „Ich glaube, dass sie die Nachbarn einbeziehen müssen“, sagte der jordanische Prinz. Man solle sich auch an einige der Nachbarländer wenden und den Menschen Spielbesuche ermöglichen, damit die Stadien ausgelastet seien.
Auch Blatter kann diesem Vorschlag offenbar etwa abgewinnen. Wie der gescheiterte Bewerber Australien Partien in Neuseeland geplant hatte, könne auch Katar „nahe gelegene Länder“ einbeziehen, sagte Blatter in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung „L’Equipe“.
Gekühlte Stadien
Katar will davon derzeit allerdings wenig wissen und im Alleingang eine WM der Superlative bieten. In Bezug auf die klimatischen Bedingungen bereitet dabei die versprochene Kühlung der Stadien offenbar die wenigsten Probleme. „Die Kühlung ist kein Problem“, so Axel Bienhaus vom Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner, das mit bis zu acht Stadionprojekten vor dem größten Auftrag der Firmengeschichte steht.
Laut Bienhaus ist das Thema Kühlung „natürlich sehr plakativ“, die technische Umsetzung sei allerdings problemlos machbar „und einfacher, als man denkt“. Demnach seien Stadien bereits aufgrund ihrer Form leicht zu kühlen. Selbst der hohe Energiebedarf bereite dabei kaum Probleme, da dieser laut Bienhaus mit Solartechnologie klimaneutral gedeckt werden könne.

EPA
Trotz 44 Grad Außentemperatur stieg die Temperatur bei einer FIFA-Visite in einem Teststation in Doha nur auf 23 Grad.
Auch Michael Beaven vom britischen Planungsbüro Arup sprach von einer „langjährig erprobten Technik“. Diese überzeugte offenbar auch eine FIFA-Delegation, die im September ein von Arup entworfenes, 500 Sitzplätze fassendes Teststadion in Doha besuchte.
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