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Hotelzimmer auf Kreuzfahrtschiffen?

Nach Uruguay im Jahr 1930 wird das Wüstenemirat Katar in rund elf Jahren das kleinste Land sein, in dem jemals eine Fußballweltmeisterschaft ausgetragen wird. Während sich die Sportwelt weiter über die Wahl des Weltfußballverbandes FIFA wundert, will Katar nun offenbar keine Zeit verlieren. Spektakulär muten dabei nicht nur die Pläne für die Austragungsstätten an.

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Mit Blick auf jene 3,2 Millionen Fußballfans, die in diesem Jahr die WM in Südafrika besuchten, steht außer Frage, dass das 1,7-Millionen-Einwohner-Land vor allem massiv in seine Infrastruktur investieren muss. Allein in den kommenden fünf Jahren sollen laut Medienberichten bis zu 100 Milliarden Dollar in ambitionierte Infrastrukturprojekte fließen.

Diese umfassen den Bau neuer Hotels, neuer Straßen und eines neuen Hightech-Eisenbahnnetzes samt einer 98 Bahnhöfe umfassenden U-Bahn. Allein das S-Bahn- und U-Bahn-Netz, das Doha mit den restlichen, im Umkreis von 60 Kilometern befindlichen Austragungsorte verbinden soll, hat rund 340 Kilometer Streckenlänge. Per Hochgeschwindigkeitszüge soll Katar auch mit Saudi-Arabien verbunden werden. Auch Bahrain soll mit einer rekordverdächtigen 40-Kilometer-Brücke an das Schnellbahnnetz angebunden werden.

Airport Doha soll Drehkreuz werden

Mit Blick auf das weltgrößte Sportereignis erhofft sich Katar nicht zuletzt einen entscheidenden Impuls, um sich von seiner Abhängigkeit vom Ölsektor zu lösen. Eine zentrale Rolle soll dabei einem neuen internationalen Flughafen in der Hauptstadt Doha zukommen, der derzeit entlang der Küste nahe des alten Airports gebaut wird und ebenfalls bereits 2011 eröffnet werden soll.

Luftansicht der Baustelle des Flughafens in Doha

Google Earth

Mit elf Hektar wurde ein Großteil der für den New Doha International Airport notwendigen Baufläche durch Landaufschüttung gewonnen.

Der New Doha International Airport (NDIA) ist auf bis zu 50 Millionen Fluggäste pro Jahr ausgelegt und soll zu einem zentralen Drehkreuz der Region werden. Elf Hektar des insgesamt rund 20 Hektar großen Areals entstanden durch Landgewinnung aus dem Arabischen Golf. Mit dem NDIA setzt sich Katar auch in Konkurrenz zu Dubai, wo sich derzeit der weltgrößte Passagierflughafen in Bau befindet.

Mit einem Neubau der Superlative will Katar zudem seine Hafenkapazitäten den künftigen Herausforderungen anpassen. Der derzeit nördlich von Doha in Bau befindliche Mesaieed-Tiefseehafen zählt mit einem Budget von 5,5 Milliarden Dollar zu den ambitioniertesten und größten Hafenprojekte weltweit. Auch wenn der Hafen in erster Linie dem Hauptgeschäft des rohstoffreichen Landes weiteren Aufschwung verschaffen soll, wird auch diesem Megaprojekt bereits eine wichtige Rolle bei der WM zugerechnet. Die Wirtschaftzeitung „Arabian Business“ berichtete in diesem Zusammenhang jedenfalls von einem „Kreuzfahrtschiffprojekt“, dank dessen während der WM 6.000 zusätzliche Zimmer zur Verfügung stehen sollen.

Derzeit 10.000 Hotelzimmer

Außer Frage steht, dass Katar vor allem in neue Hotels investieren muss. Derzeit verfügt das Emirat laut Reuters über rund 10.000 großteils im Hochpreissegment angesiedelte Hotelzimmer. Ersten Schätzungen zufolge muss das Angebot bis 2022 auf mindestens 60.000 aufgestockt werden. Katar will offenbar auch diese Vorgaben toppen und bis zur WM über 90.000 Hotelzimmer verfügen und sich damit auch ein Standbein im Tourismus sichern.

National Convention Center

Qatarconvention.com

Die geplante Fassade von Katars National Convention Centre

Bereits in der Planungsphase befinden sich die Unterkünfte und „Fünf-Sterne-Trainingscamps“ für die WM-Teilnehmer. 2011 eröffnet werden soll zudem der erste Teil des nationalen Messezentrums (National Convention Centre), das bei der WM als Standort des FIFA-Hauptquartiers vorgesehen ist. Mit dem International Broadcast Centre (IBC) wurde von Katar zudem ein spektakulärer Neubau für ein Pressezentrum versprochen.

„Grüne“ WM-Stadien

Neue Maßstäbe will Katar aber auch bei den Stadien setzen. Punkten wollen die Scheichs nicht nur mit spektakulärer Architektur - die Veranstalter wollen zudem eine „grüne“ WM und somit klimaneutrale Spielstätten. Versprochen wurde zudem, dass ungeachtet der Außentemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius auf den Rängen und dem Rasen maximal 27 Grad zu erwarten seien.

Von den zwölf zwischen 20.000 und 86.000 Zuschauer fassenden WM-Stadien müssen neun neu gebaut werden, drei werden bis zur WM runderneuert.

Eröffnet werden soll die WM im Lusail-Stadion, das in einem gleichnamigen neuen Stadtteil der Hauptstadt Doha liegen soll, der derzeit entlang der Golfküste aus dem Boden gestampft wird. Auf insgesamt 35 Quadratkilometern soll das Urbanisierungsprojekt bis 2020 fertiggestellt sein. Geht es nach den Planern, soll die Retortenstadt Lusail City nicht nur Wohn- und Arbeitsplatz für Zehntausende Menschen, sondern auch zu Katars neuem Tourismusmagneten werden.

Katars Portokasse ausreichend gefüllt

Finanzieren will Katar seine für die WM geplanten Infrastrukturprojekte aus der Portokasse. Ministerpräsident Scheich Hamad bin Dschasim Al Thani betonte laut einem Bericht der in Doha erscheinenden Zeitung „The Peninsula“, dass Katar für die Finanzierung des FIFA-Turniers keine Anleihen benötige. Zudem wurde von Bin Dschasim Al Thani betont, dass zwischen 70 und 80 Prozent der Infrastruktur, die für die WM benötigt werde, ohnehin Teil des normalen Entwicklungsplans des Emirates sei und bis 2017 fertiggestellt sein soll: „Was wir dann noch brauchen, sind ein paar Stadien“.

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