Busverkehr völlig zusammengebrochen
Klirrende Kälte und für Anfang Dezember außergewöhnlich starke Schneefälle haben am Mittwoch für chaotische Zustände im Großraum Paris gesorgt. Busse verkehrten kaum noch, und die Großflughäfen der französischen Hauptstadt, Orly und Charles de Gaulle, wurden zeitweise geschlossen.
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Im Umland der französischen Hauptstadt brach der Busverkehr völlig zusammen. Keine der 350 Buslinien fuhr nach Angaben der Betreiber mehr. Die Behörden verboten auch den Lkw-Verkehr auf den schneeglatten Straßen der Ile-de-France rund um Paris. Zudem wurden Autofahrer angesichts der winterlichen Straßenverhältnisse in ganz Frankreich zu besonderer Vorsicht aufgerufen.
420 Kilometer Stau
Am Abend gab es nach Rundfunkberichten rund um Paris mit insgesamt 420 Kilometern Stau einen Rekordwert. Viele Autofahrer gaben nach stundenlangem Warten frustriert auf und ließen ihre Fahrzeuge am Straßenrand stehen. Innenminister Brice Hortefeux rief am Abend die Autofahrer dringend dazu auf, die Straßen wegen akuter Glatteisgefahr unter allen Umständen zu meiden. Die Behörden empfahlen, auf den Autobahnen höchstens mit Tempo 30 zu fahren.
Die Regierung mobilisierte rund 5.000 Gendarmen und Polizisten, von denen allein 2.000 in Paris im Einsatz waren. Zudem wurden vorsorglich Notbehelfsunterkünfte eingerichtet. Nach Angaben des französischen Wetterdienstes fielen im Laufe des Mittwochs elf Zentimeter Schnee, so viel wie seit dem Jahr 1987 nicht mehr.

Reuters/Mal Langsdon
Stillstand auf den Straßen rund um Paris
Tausende Fluggäste gestrandet
Nachdem es auf den Pariser Großflughäfen bereits am Vortag wegen heftiger Schneefälle zu Beeinträchtigungen gekommen war, forderte die Luftaufsicht am Mittwoch die Fluggesellschaften zunächst auf, angesichts der Witterungsverhältnisse ein Fünftel weniger Verbindungen zu fliegen.
Am Nachmittag musste der Betrieb auf den beiden Flughäfen schließlich komplett eingestellt werden. Auf dem Airport Charles de Gaulle wurden für etwa anderthalb Stunden alle Flüge abgesagt. Tausende Fluggäste saßen auch am Mittwochabend weiter fest, nachdem allein Air France mehr als 100 Flüge streichen und gut drei Dutzend Flüge auf andere Flughäfen umleiten musste.
Eine ähnliche Situation gebe es laut Air France auch in Orly, wo am Nachmittag für eine halbe Stunde der gesamte Flugbetrieb eingestellt wurde. Nach TV-Berichten waren alle Hotels im Umkreis der Flughäfen ausgebucht, so dass gestrandete Passagiere mit Bussen bis zu 40 Kilometer ins Umland gefahren werden mussten.
Verspätungen auch im Bahnverkehr
Zu Behinderungen kam es zudem im Bahnverkehr. Schnellzüge durften die Hauptstadt nur mit stark verminderter Geschwindigkeit anfahren, was ebenfalls zu Verspätungen führte. Da zudem viele Vorortzüge eingestellt wurden, waren viele Reisende zu kilometerweiten Fußmärschen gezwungen. Auch in großen Unternehmen und Institutionen wie der nationalen Atomenergiebehörde CEA saßen zahlreiche Beschäftigte fest.
Für Besucher geschlossen werden musste auch der Eiffelturm, da der Besuch der durch den Schnee rutschigen Plattformen ohne Streusalz zu gefährlich war. Im Dezember besuchen täglich rund 12.000 Menschen das 324 Meter hohe Pariser Wahrzeichen. Besonders betroffen war auch das Departement Yvelines, in dem das nach den Schneefällen geschlossene Schloss Versailles liegt.

Reuters/Philippe Wojazer
Der Eiffelturm wurde am Mittwoch für Besucher gesperrt.
Mehrere Kältetote
Bereits in den vergangenen Tagen starben in Frankreich wegen der Kälte mehrere Menschen. Zuletzt forderte das Winterwetter am Dienstag ein Menschenleben. Ein 68-jähriger Obdachloser wurde nach Polizeiangaben unter einer Stiege beim Bahnhof der Stadt Coulommiers erfroren gefunden.
Stromverbrauch nahe Rekordniveau
In Frankreich liegen die Temperaturen nach Meteorologenangaben derzeit deutlich unter dem Durchschnittswert. Angesichts dessen wurde zuletzt auch die Befürchtung geäußert, dass der Kälteeinbruch das über 58 Kernkraftwerke verfügende Land an den Rand seiner Stromkapazitäten bringen könnte.
Grund dafür sei, dass die frierenden Franzosen alle verfügbaren Wärmequellen aufdrehen - und in knapp zwei Dritteln aller Wohnungen stehen elektrische Heizgeräte. Beim Stromverbrauch wurde zu Spitzenzeiten bereits eine Last von bis zu 90.000 Megawatt erreicht - das liegt knapp unter dem absoluten Rekord von 93.100 Megawatt aus dem Februar dieses Jahres.
Energieminister Eric Besson tat bei einem demonstrativen Besuch der Stromkoordinationsstelle CNESS im Pariser Stadtteil Saint-Denis Befürchtungen eines großen Stromausfalls als unbegründet ab. Obwohl sieben Kernkraftwerke für Wartungsarbeiten vom Netz genommen wurden, sei ein Blackout trotz vereinzelter örtlicher Stromausfälle nicht zu erwarten.
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