„Wir lassen uns nicht knebeln“
Wie zum Trotz hat die Enthüllungsplattform WikiLeaks nach der Festnahme des Gründers Julian Assange und ungeachtet des Drucks auf die technische Infrastruktur am Mittwoch einen ganzen Schwung an bisher geheimen Depeschen im Internet veröffentlicht.
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„Wir lassen uns nicht knebeln, weder durch juristische Mittel noch durch die Unternehmen, die Zensur durchführen. WikiLeaks ist noch immer online“, erklärte Sprecher Kristinn Hrafnsson über den Kurznachrichtendienst Twitter. „Kopien der vollständigen Seite liegen an über 500 Orten verteilt. Jeden Tag werden die Depeschen über 50 Millionen Mal (herunter-)geladen.“
46 neue Geheimdokumente
Hrafnsson attackierte zudem die US-Politik. Die USA seien im kommenden Jahr Gastgeber der UNESCO-Veranstaltungen zum „Tag der Pressefreiheit“. Gleichzeitig würde die Plattform von den USA attackiert. Die UNESCO solle „die Pressefreiheit künftig irgendwo feiern, wo sie auch existiert“, so der WikiLeaks-Sprecher. Die neueste Enthüllung von WikiLeaks umfasst 46 weitere Geheimdokumente.
Aus den Depeschen von US-Diplomaten geht unter anderem hervor, dass Libyen Großbritannien vor der Freilassung des Lockerbie-Bombers stärker unter Druck gesetzt hatte als bisher bekannt. Großbritannien habe im Streit um die Freilassung des Lockerbie-Bombers Abdel Basset al-Megrahi „harte und sofortige Maßnahmen“ von Libyen befürchtet, falls der Mann im Gefängnis gestorben wäre.
Assange verteidigt sich in Zeitungskommentar
Der 39-jährige Assange selbst verteidigte in einem am Mittwoch in der Tageszeitung „The Australian“ veröffentlichten Beitrag die Arbeit der Enthüllungsplattform. WikiLeaks sei wichtiger denn je, und Menschenleben seien mit der Veröffentlichung vertraulicher Dokumente nicht in Gefahr gebracht worden.
Während WikiLeaks vierjähriger Publikationsgeschichte seien ganze Regierungen verändert worden, aber keine einzige Person, so weit bekannt, verletzt worden, sagte Assange. Die USA hätten jedoch unter stillschweigendem Einverständnis Australiens allein in den vergangenen Monaten Tausende getötet, hieß es in dem Kommentar. Die Demokratie brauche wirkungsvolle und starke Medien, um ehrliche Regierungsführung zu ermöglichen. Dazu habe WikiLeaks beigetragen.
WikiLeaks-Gründer kämpft gegen Auslieferung
In Schweden wird Assange Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von zwei Frauen vorgeworfen. Die dortigen Strafverfolgungsbehörden ließen ihn deshalb international zur Fahndung ausschreiben. Dienstagfrüh stellte sich Assange in London der Polizei. Er erklärte dem Richter im Amtsgericht von Westminster, dass er seine Auslieferung von Großbritannien nach Schweden anfechte.
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