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Infrastruktur liegt darnieder

Fünf Mitarbeiter des mexikanischen Ölkonzerns Petroleos Mexicanos (Pemex) gingen vor sechs Monaten zur Arbeit in einem staatlichen Gasverdichtungswerk nahe der Grenze zu Texas und kehrten nicht mehr zurück. Maskierte Männer, vermutlich Mitglieder eines örtlichen Drogenkartells, hatten die Angestellten zuvor gewarnt, dass sie in der Gegend nichts mehr zu suchen hätten.

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Ungefähr zur gleichen Zeit im Mai brachen drei Inspektoren der Umweltbehörde in die Berge westlich von Mexiko-Stadt auf, um einer Beschwerde über Umweltverschmutzung nachzugehen. Tags darauf fand man ihre Leichen. Vermutlich waren sie über ein Drogenlabor gestolpert und zu Tode gefoltert worden.

Mit Entführung und Mord versuchen die Rauschgiftbanden klarzumachen, dass sie das Sagen haben. Die Einschüchterung geht so weit, dass sie vereinzelt das Funktionieren des Staates zu behindern beginnt und alltägliche Dienstleistungen stört. Die Gangster errichten nicht nur Straßensperren und bringen Polizisten und Bürgermeister um, um ihr Revier unter Kontrolle zu halten. Sie versuchen inzwischen auch, jeden vom kleinen Beamten bis zum Lastwagenfahrer und Zählerableser aus den ländlichen Gebieten fernzuhalten, wo sie Drogen transportieren, Waffen bunkern, Entführungsopfer gefangen halten und selbst ihre Verstecke haben.

Benzinlieferungen bleiben aus

Das führt dazu, dass Benzinlieferungen ebenso ausbleiben wie die Schecks mit der Pension und den Hilfsgeldern für die arme Landbevölkerung. Zudem entwickelt sich das Berauben oder Erpressen der Empfänger von Sozialleistungen, deren Namen aus Gründen der Transparenz öffentlich bekanntgegeben werden, zum eigenen Geschäftszweig.

„Alles ist unterbrochen“, sagt Maria Luz Hopkins, eine Pensionistin aus Tubutama südlich von Nogales an der Grenze zu Arizona. „Es wird nicht gebaut. Niemand arbeitet auf dem Feld, weil keiner Benzin oder Diesel hat. Die Leute, die immer Treibstoff gebracht haben, kommen nicht mehr. Wie soll man so arbeiten können?“ Als die Schecks mit der Pension ausblieben, beschwerte sich die 69-Jährige in der Landeshauptstadt Hermosillo. Nachdem eine Zweimonatszahlung im Sommer ausgefallen war, seien die Schecks vorigen Monat dann gekommen, berichtet sie: in einem Konvoi aus 20 waffenstarrenden Transportfahrzeugen.

Regierung spricht von Einzelfällen

Regierungsvertreter sprechen von Einzelfällen und bestreiten, dass es irgendeine Gegend im Lande gibt, wo der Staat nichts zu melden hat. Zum Beweis verweisen sie auf die Kongresswahlen 2009 und die Volkszählung 2010. „Es mag Zwischenfälle gegeben haben, aber das bedeutet nicht, dass irgendwo im Land der Staat nicht funktioniert“, beteuerte ein Sprecher. Sollte das eintreten, würden die Sicherheitskräfte Recht und Ordnung durchsetzen. Doch in manchen Orten im Grenzgebiet zu den USA oder in den Bergen im Landesinneren hat eine kurze Militärstreife oder der Besuch eines Volkszählers nicht viel zu bedeuten. Selbst Soldaten sind hier nervös und tragen Skimasken, um unerkannt zu bleiben.

Für Pemex, den größten Konzern Mexikos, sind die Entführungen „ein größeres Problem“, wie Generaldirektor Juan Suarez Coppel einräumt. Das betrifft nicht nur ein Werk. In vier Bundesstaaten wurden dieses Jahr insgesamt zehn Angestellte oder Subunternehmer verschleppt; 2009 war es nur einer, 2008 waren es zwei, 2007 drei gewesen. Auskunft über finanzielle Verluste oder Produktionseinbußen gab es nicht. Das Unternehmen vermochte auch nicht zu sagen, was aus den Opfern geworden ist.

Ärzte kommen nicht mehr

In Hopkins’ Heimatort Tubutama wurden im Juni der Rechnungsprüfer und der Bauamtsleiter überfallen und niedergeschossen. Strom fließt reichlich in dem 1.500-Einwohner-Ort, weil die Zählerableser sich nicht mehr hintrauen, wie ein Rancher berichtet. Ärzte der örtlichen Klinik kommen nicht mehr. Schulen schlossen, weil es wegen Schießereien zu gefährlich für die Kinder war, zum Unterricht zu gehen. Beim Kaufmann sind die Regale leer, weil die Lieferanten wegbleiben.

Viele Einwohner haben sich schon davongemacht, weil sie befürchten, dass der Staat sie nicht schützen kann - 70 Prozent, schätzt der Rancher, der ebenfalls sicherheitshalber seinen Namen nicht genannt wissen will. Auch seine eigene Verwandtschaft hat Tubutama in diesem Jahr den Rücken gekehrt.

Mark Stevenson, AP