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Steuerparadies am Genfer See

Mit Rohstoffreichtum kann die Schweiz nicht wirklich punkten, und dennoch mausert sich das Land, insbesondere Genf, zu einem der wichtigsten Rohstoffhandelsplätze. Zahlreiche US-Firmen verlagerten ihre Unternehmenszentralen bereits von bisherigen Steuerparadiesen wie den Bermuda- oder Cayman-Inseln in die Schweiz.

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Der Hochsee-Ölbohrkonzern Transocean verlegte seinen Sitz bereits 2008 von den Cayman-Inseln nach Zug in der Schweiz. Im Juni wurde es trotz der großen Ölkatastrophe nach der Explosion der Bohrplattform „Deep Water Horizon“ im Golf von Mexiko unter großer Kritik in den Schweizer Leitindex (Swiss Market Index, SMI) unter die 20 wichtigsten Aktien der Schweizer Börse gereiht.

Auch bei dem früheren US-Konzern Weatherford, der Bohrtürme sowie Öl- und Gaspipelines herstellt, ist eine Reihung unter die 20 besten Werte aufgrund seiner Größe nicht ausgeschlossen. Seit vergangener Woche ist Weatherford an der Schweizer Börse. Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama hatte der US-Konzern seine Zentrale aus steuerlichen Gründen von der Karibik nach Genf verlegt.

Vier Mitarbeiter am Hauptsitz

Vier der 53.000 Mitarbeiter arbeiten nun real in der Schweiz, kommunizieren aber mit Asien und den USA. Die vier Vertreter des Unternehmens sind der Geschäftsführer Bernard Durco-Danner, Finanzchef Andrew Becnel und zwei Sekretärinnen.

Beide Manager loben im Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) die Stabilität und Infrastruktur in der Schweiz und die Neutralität des Landes, das gerade im Ölbusiness im Kontakt mit konfliktreichen Regionen ein „vertrauensbildendes Kriterium“ sei. Auch die steigende Kompetenz im Rohstoffbereich trägt zum Ruf der Schweiz als lukrativer Standort bei: „Genf ist das neue Eldorado für qualifizierte Arbeiter in der Rohstoffindustrie“, ist etwa Emmanuel Fragniere von der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg im Gespräch mit der Nachrichtenplattform SwissInfo überzeugt.

Konkurrent Irland

Aufgrund von Obamas Kampf gegen Steueroasen und in Offshore-Zentren niedergelassene Firmen zogen immer mehr US-Unternehmen nach Europa. Neben Irland, das bisher ebenfalls mit niedrigen Unternehmenssteuern viele ausländische Konzerne anzog, konnte sich auch die Schweiz als neues Zentrum für europäische Hauptsitze von US-Firmen wie Procter & Gamble, Microsoft und Kraft etablieren.

Die Bedeutung der Schweiz als steuerbegünstigter Firmenstandort könnte noch steigen, wenn der Druck auf Irland wächst, seine günstigen Körperschaftssteuern zu erhöhen. In der Schweiz entscheiden die Kantone über die Höhe der Unternehmenssteuer zwischen 12,5 und 24,5 Prozent.

Allerdings verlegen viele Unternehmen wie auch Weatherford nur den Verwaltungssitz in die Schweiz, während das operative Geschäft großteils in den USA erfolgt und kaum Wertschöpfung in der Schweiz erbracht wird. „Sollten diese Beispiele Schule machen, könnte sich neuer politischer Druck gegen diese Firmen und die Schweiz aufbauen“, befürchtet der Geschäftsführer der Swiss-Amercian Chamber of Commerce (AMCHAM), Martin Naville.

Druck aus Ausland befürchtet

Auch in der Regierung gibt man sich ob der neuen Entwicklungen besorgt und fürchtet steigenden Druck vonseiten der USA und der EU: „Je mehr Firmen in die Schweiz kommen, die lediglich mit einem kleinen Verwaltungsbüro vertreten sind, desto mehr Angriffsfläche bieten wir ausländischen Steuerbehörden“, sagte etwa der Sprecher des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen, Mario Tuor, gegenüber der „NZZ“.

Der Unmut über den niedrigeren Unternehmenssteuersatz in der Schweiz mit durchschnittlich 18,8 Prozent im Vergleich zu Deutschland (29,4 Prozent) und Frankreich (33 Prozent) ist groß. Die EU ist der Meinung, dass die Schweiz das 1972 mit der EG geschlossene Freihandelsabkommen verletzt. Die Schweiz weist das allerdings vehement zurück.

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