60.000 Sicherheitskräfte im Einsatz
Südkorea wie im Ausnahmezustand: Zum Treffen der Spitzenvertreter der G-20-Mächte in Seoul befinden sich Streitkräfte und Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Proteste, Terrorismus, Nordkorea - gleich von drei Seiten sieht Südkoreas Sicherheitsapparat mögliche Gefahren lauern.
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Während Demonstranten vom Veranstaltungsort ferngehalten und terroristische Anschläge durch „wasserdichte“ Sicherheitsvorkehrungen verhindert werden sollen, sorgt man sich, dass das als unberechenbar geltende Nachbarland im Norden Störmanöver unternehmen könnte.
Der G-20-Gipfel wird zum größten Sicherheitseinsatz der südkoreanischen Polizei. Mehr als 50.000 Beamte und 10.000 Soldaten sollen das Coex-Kongresszentrum, den Tagungsort im Süden der Elf-Millionen-Metropole, die Unterkünfte für die Staatsgäste, Flughäfen und andere Einrichtungen schützen. Damit werden mehr als doppelt so viele Polizeibeamte mobilisiert wie beim G-20-Gipfel im Juni in Toronto.
Hoffnung auf Imageverbesserung
Anders als in Kanada sind Großaufgebote der Polizei in Seoul eigentlich kein unbekanntes Bild. „Diesmal ist es schon irgendwie ungewöhnlich“, sagt Sally Oh aus Seoul, die für eine Ausstellung der Umweltgruppe Future Forest am Coex arbeitet. „Doch ist der Sicherheitsaufwand wohl nötig, um Anschläge zu verhindern.“ Ihre Kollegin Baek Min Jin sagt: „Wir hoffen, dass der Gipfel das Image Koreas verbessern hilft.“
Erstes Gastgeberland außerhalb der G-8
Der einstige Tigerstaat Südkorea richtet den G-20-Gipfel mit viel Stolz als erstes Land außerhalb der acht führenden Industriestaaten (G-8) aus. Die Konferenz wird als nationale Aufgabe gesehen. Präsident Lee Myung Bak rief die Bürger auf, von Protesten möglichst abzusehen. Doch einen Vorgeschmack bekamen die Veranstalter am Sonntag, als etwa 20.000 Globalisierungsgegner gegen den Gipfel in Seoul demonstrierten. Zwar kam es nur zu einzelnen Handgreiflichkeiten mit Bereitschaftspolizisten. Doch ist die Angst vor Gewalt groß.
Zahlreiche Proteste erwartet
Hunderte von Gruppen haben Proteste angekündigt, darunter Gewerkschaften und nichtstaatliche Gruppen, die für mehr soziale Gerechtigkeit demonstrieren wollen. Für Aufsehen sorgten Berichte, wonach frühere Spezialkräfte der Armee für bessere Renten demonstrieren wollen. Auch vor martialischen Aktionen würden die Ex-Soldaten nicht zurückschrecken, etwa Öltanker in Brand stecken und sich selbst verstümmeln, hieß es.
Der Chef der einflussreichen Koreanischen Konföderation der Gewerkschaften, Kim Young Hoon, warnte vor überhartem Polizeieinsatz. „Exzessive Polizeiaktionen werden in Gewalt münden, die niemand will.“ Polizeichef Cho Hyun Oh versprach, „den Kontakt zwischen Randalierern und Polizeibeamten“ möglichst gering zu halten.
Südkorea hat mit einem Gesetzesbeschluss vorgesorgt. Zum Gipfel wurde ein temporäres Gesetz verabschiedet, das Demonstrationen im Umkreis von zwei Kilometern um das weitläufige Coex-Zentrum verbietet. Seit Montag gilt zudem die höchste Terrorwarnstufe. Um den Tagungsort patrouillieren rund um die Uhr Polizisten mit Spürhunden. Über dem Zentrum kreisen regelmäßig Hubschrauber.
Schießerei an Grenze zu Nordkorea
Vor einigen Tagen zerrte zudem erneut ein Zwischenfall an der Landesgrenze mit Nordkorea an den Nerven. Ein kurzer Schusswechsel zwischen Grenzsoldaten aus beiden Ländern blieb ohne schwerwiegende Konsequenzen. Solche Vorfälle gab es auch schon früher.
Sie zeigen aber, dass Befürchtungen real sind, es könne militärische Zwischenfälle geben. Kurz vor Ende der Fußball-WM 2002 in Südkorea und Japan hatte ein Seegefecht zwischen Kriegsschiffen aus Nord und Süd einen Schatten auf die damals festliche Atmosphäre gelegt. Die Situation ist seit der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes im März ohnehin äußerst angespannt. Nordkorea bestreitet, damit etwas zu tun zu haben. „Ich rechne nicht damit, dass Nordkorea unangemessene Aktivitäten unternimmt“, sagte Präsident Lee. Doch Südkorea sei für jeden Ernstfall gewappnet, fügte er hinzu.
Dirk Godder, dpa
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