Trend eindeutig
Rund 30 Prozent aller Bestattungen in Wien sind bereits Einäscherungen, Tendenz steigend. Pro Jahr werden es etwa um ein Prozent mehr, so die Bestattung Wien gegenüber ORF.at. Die 30 Prozent sind in etwa auch der Schnitt in ganz Österreich, wobei es regional allerdings große Unterschiede gibt. Dem Verbot die Asche auszustreuen setzen die Bestatter mittlerweile eine Vielzahl an Angeboten entgegen.
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Tendenziell sei in urbanen Gebieten die Einäscherung deutlich häufiger, Wien sei da fast eine Ausnahme, heißt es von der Bestattung Wien. In ländlichen Gebieten herrscht hingen weiterhin die Erdbestattung vor. In der Stadt Salzburg etwa waren laut „Salzburger Nachrichten“ über 70 Prozent der Begräbnisse Einäscherungen, die Erdbestattungen gingen binnen sechs Jahren um ein Viertel zurück.
Katholische Tradition
Dass diese in Österreich vorherrscht, ist auch auf die katholische Tradition zurückzuführen: Erst als die römisch-katholische Kirche 1963 beim Zweiten Vatikanischen Konzils den Begräbnisritus für Erd- und Feuerbestattungen gleichgestellt hat, war ein langsames Ansteigen der Kremationsfälle zu verzeichnen.
Die von der Bestattung Wien ebenfalls angebotene Diamantbestattung, bei der die Asche des Verstorbenen unter hohem Druck und bei hoher Temperatur in einen Diamanten umgewandelt wird, wurde seit der Einführung 2006 immerhin rund 60-mal in Anspruch genommen.
Trend in Deutschland noch stärker
In Deutschland verliert in Zeiten nachlassender kirchlicher Bindungen die christliche Tradition der Erdbestattung noch wesentlich stärker an Bedeutung. Dort sind bundesweit mittlerweile die Hälfte aller Bestattungen Urnenbeisetzungen, schätzt die Verbraucherinitiative Aeternitas. Auch hier gibt es regionale Unterschiede: Urnenbestattungen sind im eher protestantischen Norden Deutschlands häufiger als im eher katholischen Süden, und in Städten häufiger als auf dem Land. Ein Urnengrab ist kleiner und damit günstiger als ein Erdgrab.
Der Zeitaufwand für die spätere Pflege von Urnengräbern ist geringer oder entfällt sogar ganz - oft ein entscheidender Punkt, wenn die Hinterbliebenen nicht in der Nähe wohnen oder ein Verstorbener gar keine Angehörigen hat. Zudem verliert in Zeiten nachlassender kirchlicher Bindungen die christliche Tradition der Erdbestattung an Bedeutung.
„Urne zu Hause“ kaum verbreitet
In Gegensatz zu anderen europäischen Ländern galten in Österreich ähnlich wie in Deutschland lange Zeit strenge Regeln, was die Beisetzung von Urnen betrifft: So musste auch die Asche auf Friedhöfen bleiben. Mittlerweile wurden die Regelungen in allen Bundesländern gelockert. Unter bestimmten Auflagen und mit entsprechender Genehmigung ist es mittlerweile überall möglich, die Urne von Angehörigen mit nach Hause zu nehmen.
Laut der Wiener Magistratsabteilung 40, die für die Genehmigung in der Bundeshauptstadt zuständig ist, nimmt die Zahl der Anträge zwar zu, hält sich aber doch noch in Grenzen: 119 Anträge waren es im Jahr 2009, heuer gab es bisher 90 Anträge. Zum Vergleich: In Wien versterben jährlich zwischen 15.000 und 17.000 Menschen, österreichweit sind es rund 75.000.
Ausstreuen der Asche verboten
Im Wesentlichen weiterhin verboten ist in Österreich das Verstreuen der Asche – und das, obwohl der Wunsch danach offenbar sehr oft vorhanden ist. Nicht nur nach dem Vorbild von etlichen US-Filmen heißt es wird immer wieder, man wolle die sterblichen Überreste dort haben, wo man sich schon zu Lebzeiten wohlgefühlt habe. Wie häufig es vorkommt, dass legal nach Hause genommene Urnen dann illegal „geleert“ werden, ist freilich nicht bekannt.
Einige heimische und europäische Anbieter organisieren spektakuläre Inszenierungen, etwa eine Luftbestattung, bei der der Inhalt der Urne bei einer Ballonfahrt verstreut wird. Ausgewichen wird dabei zumeist auf das benachbarte Ausland wie die Schweiz oder die Slowakei.
Mehr Freiheit am Friedhof
Die heimischen Bestatter gehen mittlerweile, soweit es die Landesgesetze zulassen, neue Weg: In Salzburg etwa ist es möglich, auf eigens dafür vorgesehenen Flächen, die Asche von Toten zu verstreuen oder in einen ortsfesten Gegenstand, wie etwa einen Baum, einzubringen – allerdings nur auf Friedhöfen.
Am Wiener Zentralfriedhof kann man sich in einer „biologisch abbaubaren“ Urne „naturnah“ bestatten lassen – auf dem ersten Waldfriedhof der Stadt, der sich auf dem Zentralfriedhofsareal befindet. Die Begräbnisstellen befinden sich inmitten der Natur, sind von Efeu bedeckt, nicht gekennzeichnet und daher nach der Bestattung mit freiem Auge nicht mehr sichtbar.
Naturbestattungen im Kommen?
Einen Schritt weiter geht seit kurzem das Salzburger Unternehmen paxnatura, das Urnenbestattungen unter Bäumen, auf Wiesen und auf Almen anbietet, also außerhalb traditioneller Friedhöfe auf genehmigten und ausgewiesenen Naturflächen. Dort plant man, Naturbestattungen nicht nur in Salzburg, sondern in ganz Österreich einzuführen. Weitere ähnliche Projekte sind entweder in Planung oder schon umgesetzt, wie Urnenbestattungen im „Wald des Friedens“ in Vorarlberg und im „Wald der Ewigkeit“ in Niederösterreich. Der Anbieter des letzteren bietet auch eine „Seebestattung“ an, wobei die Asche in einer wasserlöslichen Urne in der Donau versenkt wird.
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