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Streit über Exportdrosselung

Das öffentliche Rennen um Rohstoffe ist seit einigen Wochen um ein Produkt reicher: Neben Erdöl- und Wasserknappheit stehen nun die „seltenen Erden“ im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Eingesetzt werden diese Metalle vom Smartphone bis zu Computern und Hybridautos. Entsprechend groß ist auch die Sorge des Westens vor einer Abhängigkeit von China.

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Rund ein Drittel der weltweiten Vorkommen dieser Metalle liegen in China. Zuletzt kamen von dort 120.000 Tonnen. Das umfasst einen Marktanteil von 97 Prozent. Denn mögliche Konkurrenten außerhalb Chinas stellten die Förderung der „seltenen Erden“ in den vergangenen Jahren nahezu ein.

Ein wirkliches Monopol müsste China aber nicht darauf haben. Denn „seltene Erden“ kommen weltweit in ausreichenden Mengen vor. Die USA galten bis in die 90er Jahre als eines der wichtigsten Förderländer. Durch den vergleichsweise billigen Preis stiegen sie großteils aber aus der Produktion aus. China konnte insbesondere aufgrund geringerer Umweltstandards diese Rohstoffe leichter und auch billiger produzieren.

Künstliche Verknappung

China baute in den vergangenen Jahren diese Dominanz aus. Bereits 2005 wurde beschlossen, die Exportquoten für diese Metalle schrittweise zu reduzieren. Die Bestände sollten geschont werden. Das chinesische Handelsministerium befürchtete, dass die Reserven innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre erschöpft seien, wenn sie weiter im selben Maß gefördert würden. Im Juli dieses Jahres kürzte China die Ausfuhrquote noch einmal um 72 Prozent.

Allerdings dürfte auch der wachsende Eigenbedarf die geringeren Ausfuhrquoten erklären. Laut einem Bericht des US-Kongresses wird geschätzt, „dass bis 2012 Chinas Bedarf die heimische Förderung überschreiten wird“. Berichte, dass die Kürzungen der Exporte auch 2011 fortgeführt werden, dementierte Peking. „China wird weiterhin ‚seltene Erden‘ an die Welt liefern“, beruhigte das Handelsministerium. Und auch bei einem Treffen mit US-Außenministerin Hillary Clinton sagte ihr chinesischer Kollege Yang Jiechi am Samstag in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi zu, die Metalle auch weiter zu liefern.

Gewinner des Booms

Aus der Knappheit entstehen nicht nur Verlierer. Der Preisanstieg lässt die Kurse beteiligter Bergbauunternehmen in die Höhe schnellen. Westliche Unternehmen, die bisher die „seltenen Erden“ vernachlässigt hatten, entdecken sie wieder. Nach Angaben des bisher größten westlichen Herstellers, der US-Konzern Molycorp, habe sich der Preis dafür in den vergangenen Monaten versechsfacht. Das Unternehmen will seine Produktion „seltener Erden“ bis Ende 2012 auf 20.000 Tonnen jährlich ausbauen.

Auch andere Bergbaukonzerne insbesondere in Nordamerika, Australien und Grönland bekommen neuen Aufwind und wollen in den nächsten Monaten Vorkommen erkunden sowie die Produktion aufnehmen. Die Kursgewinne dieser Unternehmen - von Lynas in Australien bis zu Avalon in Kanada - können sich sehen lassen. Wie die „Financial Times Deutschland“ („FTD“) berichtete, haben sich bei den meisten dieser Bergbauunternehmen die Kurse in den vergangenen drei Monaten mehr als verdoppelt. Auch wenn bisher noch keine der „seltenen Erden“ gefördert wurde.

Warnung vor „Blase“

Gegenüber der „FTD“ sprach Constantine Karayannopoulos, Chef des kanadischen Konzerns Neo Materials, bereits von einer „Blase“: „Wenn diese Blase platzt, wird es in Tränen enden - wie bei jeder Blase.“ Denn während der Wert aller in einem Jahr weltweit gehandelten seltenen Erden bei zwei Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro) liegt, haben sechs dieser Bergbaukonzerne aus den USA, Kanada und Australien an der Börse mittlerweile einen Wert von knapp sieben Mrd. Dollar.

Seit wenigen Tagen können sich Investoren nun auch mit einem börsennotierten Indexfonds (ETF) eines US-Fondsanbieters an dem boomenden Geschäft mit den „seltenen Erden“ beteiligen - mit Aktien von Unternehmen, die diese Metalle fördern, aufbereiten und vertreiben.

Frage des Preises

Auch wenn sich Anleger freuen, schlägt die Industrie Alarm. Einige Vertreter sprachen bereits von einer „Versorgungskrise“ und einer steigenden Abhängigkeit von China. Höhere Kosten könnten sich auch auf die Preise der Produkte, die eines der Metalle benötigen - vom Smartphone bis zum Computer - auswirken. Die EU, Japan und die USA deuteten wegen der Drosselung der Exporte „seltener Erden“ aus China sogar eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) an.

Produktionsengpässe fürchtet Michael Harbisch, Chef des Aktienhandels der US-Investmentbank Jefferies, im „FTD“-Interview hingegen nicht: „Wenn der Preis hoch genug ist, dürfte China wieder mehr Exporte zulassen.“

Druckmittel in Verhandlungen?

Gleichzeitig versteht China sein derzeitiges Monopol auch als Druckmittel zu verwenden. Nach Japan etwa wurde die Ausfuhr der Metalle zuletzt nahezu völlig eingestellt. Ursache war ein Streit zwischen Peking und Tokio über die Kollision eines chinesischen Fischerboots mit einem Schiff der japanischen Küstenwache in einem umstrittenen Seegebiet.

Bei ihrem Besuch in Peking Ende Oktober schaltete sich auch US-Außenministerin Hillary Clinton ein. Sie warnte Peking vor Machtspielen mit dem Export dieser Metalle und forderte zu einem klaren Bekenntnis auf, diesen klar zu regeln. Peking hatte zuvor noch versichert, die Metalle nicht als „Druckmittel in Verhandlungen“ mit anderen Staaten einzusetzen.

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