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Wurm über Design und Gesellschaft

Für seine Ausstellung im Essl Museum in Niederösterreich hat Erwin Wurm sein Elternhaus auf die Breite von 1,38 Metern zusammengequetscht. Im Gespräch mit ORF.at spricht er über ein Haus der Zukunft als Spiegel der heutigen Gesellschaft und über hässliches Design.

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ORF.at: In Ihrem gequetschten Haus findet sich typisches 70er-Jahre-Interieur - aber kein Fernseher?

Erwin Wurm: Stimmt, der fehlt, das ist mir gar nicht aufgefallen. Der stand bei uns im ersten Stock, und wir zeigen hier in der Ausstellung das Erdgeschoß.

Möbel von Erwin Wurm

ORF.at/Birgit Hajek

ORF.at: Was würde im Fernsehen laufen?

Wurm: Jason King. Von den Sportlern her würde man Franz Klammer sehen und Karl Schranz auf dem Heldenplatz. Schranz, Adolf Hitler und Figl waren auf dem Heldenplatz.

ORF.at: Dieses Haus repräsentiert nicht zuletzt auch den Mief und die Enge der damaligen Zeit. Wie könnte in vierzig Jahren ein Haus aussehen, das die heutige Zeit repräsentiert?

Wurm: Vielleicht würde es flach gemacht werden. Der enorme Druck von oben ist ein gesellschaftliches Phänomen unserer Zeit, es geht immer um Geld und Macht.

ORF.at: Die Enge von damals ist in Ihrem Haus jedenfalls spürbar. Es macht aber auch Spaß, durch das Haus zu gehen. War es auch lustig, all die Details im Haus zu bearbeiten?

Wurm: Spaß im Sinn von lustig ist es nicht, weil es Arbeit ist und weil ich mich konzentrieren möchte darauf, dass alles genau auf den Punkt gebracht wird. Das hat viel mit Auswählen und Entscheidungentreffen zu tun. Ich war mir oft unsicher, ob dieses oder jenes Detail besser zur Geltung kommen würde. Lustig war die Arbeit also nicht, aber erfüllend.

ORF.at: Haben Sie vom Design der damaligen Zeit auch privat etwas herrüberretten können? Finden sich Versatzstücke in ihrem Wohnumfeld?

Möbel von Erwin Wurm

ORF.at/Birgit Hajek

Wurm: Ich sammle Design aus den 50ern, 60ern und ein bisschen auch aus den 70ern. Ich habe solche Dinge zu Hause. Nicht das, was hier in der Ausstellung zu sehen ist, sondern interessante Designobjekte aus dieser Zeit, die ich faszinierend finde. Ich habe 50er-Jahre-Sachen früher ja entsetzlich gefunden, in den 60er und 70er Jahren. Später, wenn eine gewisse Aversion weg ist, findet man das wieder interessant und kommt drauf, dass das Design dieser Zeit doch toll war. Bei Autos ist es ähnlich.

ORF.at: Auch bei den Mahagonikästen, die Sie für diese Ausstellung zu Sitzmöbeln umfunktioniert haben?

Wurm: Die dürften sogar aus den 40er Jahren sein. Die sind groß und dunkel, richtige Großmuttermöbel. Man konnte sich auch verstecken darin. Das sind richtig hässliche Möbel. Auch die umfunktionierten Küchenkästchen waren ursprünglich richtig hässlich. Die werden transformiert und haben nach ihrer Veränderung fast wieder etwas Reizvolles, finde ich.

Das Gespräch führte Simon Hadler, ORF.at

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