Mittelsmann in Millionen-Datenklau
Der unter ungeklärten Umständen in Schweizer Untersuchungshaft gestorbene Österreicher war angeblich nicht der Haupttäter in der Affäre um gestohlene Steuersünderdaten, sondern der Mittelsmann zwischen den deutschen Behörden und den Datendieben.
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Wie die „Kronen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe) berichtet, soll der 42-Jährige das dafür gezahlte Geld als Treuhänder über eine Vorarlberger Bank gewaschen haben. Dafür dürfte er einen Anteil der kolportierten Kaufsumme von 2,5 Millionen Euro bekommen haben. Vom Doppelleben des gelernten Graphikers soll seine Familie keine Ahnung gehabt haben.
Anfang 2010 hatte das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen eine CD-Rom mit illegal beschafften Daten von Steuersündern erworben. Laut der Staatsanwaltschaft Düsseldorf versteckten die mutmaßlichen Steuerbetrüger mehr als 1,3 Milliarden Euro vor dem deutschen Fiskus in der Schweiz.
Weiter Mauer des Schweigens in Bern
Der 42-jährige Mann war am Mittwoch tot in seiner Gefängniszelle in Bern aufgefunden worden. Gegen den gebürtigen Oberländer aus dem Bezirk Landeck war sowohl in Vorarlberg als auch in der Schweiz ermittelt worden. In Österreich lautete der Verdacht auf Geldwäsche, in der Schweiz auch auf Spionage.
Weiterhin geben die Schweizer Behörden auch die kleinsten Details zu dem Fall nur unter größtem Widerwillen preis. Die Schweizer Bundesanwaltschaft wollte gegenüber der „Kronen Zeitung“ nur bestätigen, dass der Mann „im Rahmen der Strafuntersuchung wegen Bankdatendiebstahl und dem Verkauf der Daten nach Deutschland inhaftiert war“.
Feldkirch informiert, Wien nicht?
Die Schweizer Behörden hatten weder die Angehörigen des Mannes noch die österreichische Vertretung in der Schweiz von der Verhaftung des Mannes informiert. Er dürfte schon Mitte September verhaftet worden sein. Auch in der lakonischen Bekanntgabe seines Todes war mit keinem Wort erwähnt, dass es sich um einen österreichischen Staatsbürger gehandelt hatte.
Erst durch Medienberichte am Freitag war der Fall ans Tageslicht gekommen. In weiterer Folge stellte sich die Frage, ob neben dem Schweigen der Schweizer Behörden auf österreichischer Seite eine Behördenpanne vorlag: Die Staatsanwaltschaft Feldkirch war laut eigener Aussage in die Ermittlungen eingebunden, das Außenministerium laut eigener Aussage jedoch ahnungslos.
Tiroler als heißeste Spur zu Haupttätern
Möglich wäre auch, dass sich die Behörden aller beteiligten Länder in dem Fall auf ein Schweigegelübde einigten. Immerhin ist der Fall so gewichtig, dass laut Medienberichten auch der deutsche und der Schweizer Geheimdienst in die Causa eingebunden sind. Der Ankauf gestohlener Schweizer Bankdaten durch deutsche Behörden hatte zu ernstlichen diplomatischen Verwerfungen in Europa geführt.
Der Verhaftete war offenbar die bisher heißeste Spur der Schweizer Ermittler zu den Tätern. Auch gab Bern öffentlich zu, dass die Geheimniskrämerei um den Fall dazu dienen solle, die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Offen bleibt, ob diese Aussage die Haupttäter nur nervös machen soll, oder ob der Tiroler sein brisantes Wissen vor seinem Tod tatsächlich mit den Schweizer Ermittlern teilte.
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