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Heißer Herbst an den Unis?

Die Rektoren der heimischen Universitäten „warnen“ die Regierung vor den geplanten realen Kürzungen im Unibudget. Am 19. Oktober sollen an allen Unis Vollversammlungen von Lehrenden und Studenten stattfinden, kündigten die Unichefs Anfang Oktober bei Pressekonferenzen in Wien, Graz, Salzburg und Klagenfurt an. Die ÖH will die Rektoren bei ihrem „Denkzettel“ für die Regierung unterstützen.

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Der Rektor der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, Christoph Badelt, betonte, dass man angesichts der schon derzeit gespannten Lage bei real sinkenden Budgets „Kapazitäten reduzieren“ und Studien bzw. bestimmte Bereiche „zusperren“ müsse. Gleichzeitig warnte er die Regierung: „Das werden nicht die Rektoren Badelt oder Winckler verantworten müssen, sondern diese Damen und Herren.“ Die Unis kämpfen bereits jetzt mit wachsenden Studentenzahlen, ab 2013 wird das Unibudget aufgrund des angekündigten Einfrierens der Mittel real gekürzt.

Studierende machen mit

ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS) kündigte an, alle universitären Gruppen würden sich an den Vollversammlungen beteiligen. „Die Studierenden haben bereits letztes Jahr gezeigt, dass sie sich das Kaputtsparen ihrer Hochschulen nicht protestlos gefallen lassen“, so ÖH-Vizechef Thomas Wallerberger (Fraktion Engagierter Studierender, FEST). „Dass auch die Rektoren von (Wissenschaftsministerin Beatrix, Anm.) Karls Unfähigkeit genug haben, macht deutlich, dass es ein heißer Herbst wird.“

Die Rektoren fordern unter anderem einen „Bildungsgipfel“ mit der Regierungsspitze. Schon bisher habe die Universitätenkonferenz (uniko) dreimal versucht, einen Gesprächstermin mit Kanzler und Vizekanzler zu vereinbaren, so der Rektor der Universität für angewandte Kunst und uniko-Vizepräsident Gerald Bast. "Es gab nicht einmal eine Reaktion darauf - mehr dazu in science.ORF.at

Faymann und Pröll auf Terminsuche

Im Büro von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) wird betont, dass man gemeinsam mit Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) so rasch als möglich Zeit für ein Gespräch mit den Rektoren aufbringen wolle. Termine in Budgetzeiten zu finden, sei aber schwierig. Auch Pröll selbst meinte, man sei bemüht, einen Termin zu finden. Prölls Büro verwies darauf, dass ja gegenwärtig noch Verträge mit den Universitäten bestünden, die eine Finanzierung bis 2012 gewährleisteten.

Wissenschaftsministerin Karl (ÖVP) geht davon aus, dass es „bald“ Gespräche der Regierungsspitze mit den Rektoren geben und es nicht zu den angekündigten Vollversammlungen kommen wird. „Warnstreiks werden nicht notwendig sein“, so die Ministerin. Sie verstehe, „dass die Rektoren sich Sorgen machen“, betonte Karl. Allerdings sei das Budget bis 2012 sichergestellt, „und ich habe immer gesagt, dass ich kämpfen werde für ein höheres Budget“ ab 2013.

Karl hob allerdings hervor, dass die Probleme der Universitäten durch mehr Geld allein nicht zu lösen seien. Es müssten auch die strukturellen Rahmenbedingungen stimmen, pochte sie auf die Möglichkeit, dass die Universitäten ihre Studenten auswählen können. Das werde durch die kommenden „Studieneingangsphasen mit Auswahlverfahren“ möglich, denen die SPÖ schon zugestimmt habe. Über diese Frage laufen derzeit Verhandlungen zwischen Karl und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ).

„Hochschulpolitik möglich“

WU-Rektor Badelt hatte zuvor gemeint: „Einen Stillstand in der Hochschulpolitik können wir uns nicht mehr leisten und wollen wir auch nicht mehr akzeptieren.“ Die Regierungsspitze müsse „jetzt endlich etwas für die Unis tun“ und aufhören, sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.

Der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, nannte als positive Beispiele Dänemark, Finnland und Deutschland. Diese Länder würden in den Hochschulbereich investieren und Studienplätze schaffen bzw. Studentenförderungen erhöhen. „Hochschulpolitik ist gestaltbar, wenn man will. Die Frage ist, wo ist das Wollen in Österreich.“

Die Uni Wien habe seit 2004 einen Studentenzuwachs von rund 30 Prozent zu verzeichnen, während das Budget real nur um ca. fünf Prozent angehoben worden und die Zahl der Lehrenden um zehn bis 15 Prozent gewachsen sei.

„Werden international ausgelacht“

Auf die Frage „Studiengebühren ja oder nein“ wollten sich die Rektoren zumindest in Wien nicht einlassen, wohl auch weil man die Studierenden als „Mitkämpfer“ nicht vergraulen will. Das sei eine politische Entscheidung, so Winckler. Natürlich müsse man diese Frage diskutieren - es gebe aber auch Länder, die ohne Studiengebühren auskämen und trotzdem in die Hochschulen investierten, wie etwa die skandinavischen Staaten.

Auch die Fachhochschulen (FH) wehren sich gegen die aus ihrer Sicht zu geringe finanzielle Unterstützung durch die Regierung. „Wir sitzen mit im selben Boot“, zeigte der Präsident der FH-Konferenz (FHK), Werner Jungwirth, Verständnis für die geplanten Vollversammlungen. Auch die FH würden weiter um die ursprünglich versprochene Ausweitung der Studienplätze kämpfen, so Jungwirth: „Wir werden sicher keine Ruhe geben.“

Bei der Pressekonferenz der steirischen Universitätsrektoren fand Hans Sünkel von der Technischen Universität (TU) Graz fast schon verzweifelte Worte für die finanzielle Situation: „Wir werden angesichts des Betreuungsverhältnisses und des freien Unizugangs international ausgelacht.“ Er sowie seine beiden Kollegen Wolfhard Wegscheider (Montanuniversität Leoben) und Martin Polaschek, Vizerektor der Uni Graz, hätten „die Nase voll von der Parteiblockade innerhalb der Regierung“ - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Schließungen als Konsequenz?

Für den Rektor der Universität Salzburg, Heinrich Schmidinger, wären die Konsequenzen eines weiteren Sparkurses der Regierung, einzelne Studienrichtungen oder Vorlesungen für mehrere Jahre nicht mehr anzubieten oder Gebäude zu schließen.

„Die Situation ist dramatisch“, erklärten Schmidinger und seine Kollegen Karlheinz Töchterle (Uni Innsbruck) und Richard Hagelauer (Uni Linz) unisono. In Salzburg waren auch Forderungen nach qualifizierten Zugangsregeln und Studiengebühren zu hören. Das sei auch im Interesse der Studierenden, ist Töchterle sicher. Besonders an den grenznahen Universitäten Innsbruck, Salzburg und Linz hätte sich die Zahl der Studierenden in den vergangenen Jahren stark erhöht - mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Auch der Rektor der Universität Klagenfurt, Heinrich C. Mayr, befürchtet bei einem Festhalten an der von der Regierung geplanten Einfrierung des Unibudgets die „Schließung von drei größeren Instituten“. Allein die laufenden Gehaltssteigerungen machten einen Mehrbedarf von 4,5 Mio. Euro aus - mehr dazu in kaernten.ORF.at.

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