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Der „Geliebte Führer“ sucht einen Nachfolger

Nordkorea will in der kommenden Woche im Rahmen des ersten Parteitags seit mehreren Jahrzehnten eine neue Führung bestimmen. Die regierende Kommunistische Partei werde am 28. September in Pjöngjang zusammentreten und ihre Spitze wählen, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag.

Experten vermuten, dass der offiziell 1942 geborene „Geliebte Führer“ der kommunistischen Volksrepublik, Kim Jong Il, auf dem Parteitag seinen Sohn Kim Jong Un als Nachfolger in Stellung bringen will. Spekulationen über die Nachfolgeregelung Kim Jong Ils halten sich hartnäckig, seit der nordkoreanische Machthaber laut Medieninformationen im August 2008 einen Schlaganfall erlitt.

Der 68-Jährige soll außerdem an Diabetes und einer Nierenerkrankung leiden. Beobachter rätseln seit längerem über seinen Gesundheitszustand. Kim Jong Un, der jüngste Sohn des Präsidenten, gilt als wahrscheinlichster Kandidat für seine Nachfolge. Über ihn ist wenig bekannt, in den staatlichen Medien wurde er noch nie erwähnt. Schätzungen südkoreanischer Geheimdienste zufolge wurde er 1983 geboren und in der Schweiz ausgebildet.

King Jong Il mit Sohn Kim Jong Un

APA/EPA/KCNA

Laut japanischen Medien zeigt das Foto, das im März aufgenommen wurde, Kim Jong Un mit seinem Vater bei seinem ersten öffentlichem Auftritt vor Medien.

Erster Parteitag seit Jahrzehnten

Ursprünglich war das Treffen bereits für Anfang September angesetzt worden, es wurde aber immer wieder verschoben. Der Parteitag ist der erste seit 1980, als Kim Jong Il offiziell zum Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung erklärt worden war. Es ist zudem erst die dritte Konferenz seit der Staatsgründung im Jahr 1948. Dass der Parteitag jüngst verschoben wurde, hatte neuerliche Gerüchte genährt, wonach der Machthaber zu krank sein könnte, um vor die Parteiführung zu treten.

Die amtliche Agentur KCNA bezeichnete das geplante Treffen als „historisch“. Experten und Beobachter der politischen Situation in Nordkorea gehen davon aus, dass Kims Sohn bei der Konferenz ein mittelhohes Parteiamt übertragen bekommt. Auch Vertraute des Sohnes des Machthabers dürften Schlüsselposten innerhalb der Partei erhalten.

Bereits zum Nachfolger bestimmt?

Am Sonntag hatte die japanische Tageszeitung „Tokyo Shimbun“ berichtet, dass die Kommunistische Partei Kims Sohn zu seinem Nachfolger bestimmt hat. Er habe von seinen Eltern eine „revolutionäre Erziehung und einen Sinn für Autorität“ vermittelt bekommen, zitierte die Zeitung aus einem Dokument der Partei. Er dürfte indes noch einige Zeit im Schatten seines Vaters stehen - Experten rechnen nicht damit, dass dieser ihm vor seinem Tod sein Amt übergibt.

Gedichte und Lieder für den Lieblingssohn

Mitarbeiter des südkoreanischen Geheimdienstes gehen davon aus, dass das Regime bereits eine Propagandaaktion startete, um den Sohn im Volk bekanntzumachen. Dazu sollen Lieder und Gedichte gehören, in denen der junge Kim gepriesen wird. Nordkoreanische Soldaten und Arbeiter sollen dem Sohn an seinem Geburtstag im Jänner ihre Loyalität geschworenen haben.

Der Machtwechsel wurde jedoch stets geheim gehalten, die südkoreanischen Behörden wussten bis zum letzten Jahr nicht einmal, wie der Name des Sohnes überhaupt geschrieben wird. Kim Jong Un hat zwei ältere Brüder. Aus Kreisen des Regimes verlautete jedoch, der Jüngste sei das Lieblingskind des Vaters.

Streng geheime China-Reise

Kim reiste im August offenbar in Begleitung seines Sohnes nach China und soll dabei auch Präsident Hu Jintao getroffen haben. Die Reise stand wie gewöhnlich unter strengster Geheimhaltung. Der Besuch wurde bereits als Versuch Kims gewertet, in dem Nachbarland für Unterstützung für seinen Sohn zu werben. China ist einer der wenigen Verbündeten Nordkoreas.

Hoher Posten auch für Schwester?

In der nächsten Woche werden die Delegierten vermutlich eine neue Parteiführung wählen und Ämter vergeben, die teilweise seit Jahren unbesetzt sind. Es war nicht klar, welches Amt Kim Jong Un übernehmen könnte. Neben ihm wird auch im Kim Jong Ils einzige Schwester Kim Kyong Hui im Fokus stehen. Sie begleitete den Staatschef in den vergangenen zwei Jahren wiederholt bei Inlandsreisen. Derzeit ist sie innerhalb der Partei zuständig für die Leichtindustrie. Ihr Ehemann Jang Song Thaek stieg ebenfalls in der Partei auf. Er wurde im Juni zum stellvertretenden Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission befördert und ist damit nach Kim Jong Il die Nummer zwei in dem mächtigen Gremium.

Nach chinesischen Angaben hat Kim Jong Il die Berichte über ein mögliches Aufrücken seines Sohnes an die Spitze des Landes als „falsche Gerüchte aus dem Ausland“ bestritten. Das hatte der frühere US-Präsident Jimmy Carter von einem Gespräch mit Chinas Regierungschef Wen Jiabao in Peking berichtet.

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