Weitere Intervention bei Bedarf
Nach dem ersten Eingriff auf dem Devisenmarkt seit Jahren will Japan zum Schutz seiner Wirtschaft bei Bedarf nachlegen. Regierungschef Naoto Kan sagte am Donnerstag, wenn nötig werde er weitere „entschiedene Schritte“ unternehmen. Das Finanzministerium wertete die Intervention als vollen Erfolg. Der Wechselkurs des Yen sei bereits um einen „bedeutenden Betrag“ gedrückt worden.
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Die Notenbank war gleich zu Beginn ihrer Aktion in die Vollen gegangen. Aus Daten der Bank von Japan ist zu schließen, dass sie am Mittwoch knapp viermal so viel Yen auf den Markt warf wie zunächst von Experten geschätzt: insgesamt bis zu 1,8 Bill. Yen (16,2 Mrd. Euro). Japans Exportwirtschaft ächzt seit langem unter den Wettbewerbsnachteilen einer starken Landeswährung. Die Ausfuhrgüter des Hightech-Landes wurden durch den Höhenflug des Yen immer teurer.
Die Regierung zog daher die Reißleine und wies die Notenbank an, auf dem Devisenmarkt zu intervenieren. Nachdem der Dollar-Kurs am Mittwoch zunächst auf ein 15-Jahres-Tief von 82,85 Yen gefallen war, schoss er binnen weniger Stunden um bis zu 3,5 Prozent in die Höhe und behauptete dieses Niveau in etwa auch am Donnerstag. Das ist das größte Plus seit den turbulenten Wochen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der Euro legte ähnlich stark zu und kostete mit 111,94 Yen so viel wie seit fünf Wochen nicht mehr.
„Kein aggressives Abwertungsszenario“
Chef-Ökonom Jörg Zeuner von der Liechtensteiner VP Bank geht davon aus, dass Japan kein „aggressives Abwertungsszenario“ plant. „Ich denke, dass sich die angestrebte Abwertung in einer Spanne zwischen drei und sieben Prozent bewegen dürfte.“ Um ein solches Ziel zu erreichen, könne es die Notenbank bei „sporadischen Interventionen“ belassen.
Als warnendes Beispiel gilt die Schweiz, die sich 15 Monate lang mit Eingriffen am Devisenmarkt gegen den Höhenflug des Franken gestemmt hatte. Nach dem Ende der Interventionspolitik im Juni stieg der Franken prompt wieder auf ein Rekordhoch. Zeuner lässt den Vergleich jedoch nicht gelten: „Japan hat als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ganz andere Möglichkeiten als die Schweiz.“ Außerdem habe die Schweizerische Notenbank mit ihren Interventionen zumindest erreicht, dass der Aufwertungsprozess verlangsamt worden sei.
Gewollte Inflation durch Yen-Verkäufe
Japan könnte mit der Devisenmarkt-Intervention zudem versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Durch die Yen-Verkäufe wird automatisch mehr Geld in den Markt gepumpt und damit für einen, durchaus gewollten, inflationären Effekt gesorgt. Denn Japans Binnenwirtschaft wird bereits seit Jahren durch einen anhaltenden Preisverfall gehemmt. Das Finanzministerium in Tokio signalisierte, es gehe nicht davon aus, dass die Notenbank die Yen-Verkäufe neutralisiert - etwa durch die Ausgabe von Staatsanleihen.
Der zuletzt in Bedrängnis geratene Ministerpräsident Kan wagt nach der überraschenden Devisenmarktintervention nun auch politisch den Befreiungsschlag: Am Freitag will er sein Kabinett umbilden. Unklar ist noch, welche Minister ausgetauscht werden sollen. Kan hatte sich erst am Dienstag in einer Kampfabstimmung um den Vorsitz seiner Demokratischen Partei gegen den Rivalen Ichiro Ozawa durchgesetzt. Danach erklärte Kan, er werde Ozawa künftig um Hilfe bitten, ohne das zu konkretisieren.
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