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Jubiläumsjahr mit neuen Regeln

Mit dem traditionellen Ruf „O’zapft is“ hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude am Samstag um Punkt 12.00 Uhr das wohl berühmteste Volksfest der Welt eröffnet. Als besonderes Highlight zum 200-Jahr-Jubiläum werden den Besuchern schon seit Freitag vor dem offiziellen Anstich unter anderem alte Karussells, Pferderennen und traditionelle Gerichte geboten.

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Insgesamt werden in diesem Jahr weit mehr als die üblichen sechs Millionen Menschen auf der „Wiesn“ erwartet. Darunter neben dem alljährlichen Aufmarsch deutscher und internationaler Prominenter aus Politik, Wirtschaft und Kultur auch jede Menge trinklustiger Touristen, die extra für die legendäre Feier anreisen und dafür saftige Übernachtungskosten in Kauf nehmen. Denn München ist rund um das Oktoberfest traditionell bis auf das letzte Bett ausgebucht.

Nächtliches Festgelände des Münchner Oktoberfestes mit Riesenrad

Reuters/Michaela Rehle

Nächtliches Gedränge auf der Theresienwiese

Doch nicht nur Hoteliers freuen sich über die gute Auslastung: Alljährlich werden auf dem Festgelände in den gut zweieinhalb Wochen der Veranstaltung rund sechs Millionen Maß Bier getrunken sowie mehr als eine halbe Million Brathendl und über 100 Ochsen verspeist - einige der Konsumrekorde sollen, geht es nach den Veranstaltern, in diesem Jahr fallen. Vor allem am Wochenende treffen sich hier im Morgengrauen Frühaufsteher und Nachtschwärmer, um im Bierzelt so früh wie möglich die ersten Maßkrüge zu stemmen.

Komasaufen und Randale

Auswüchse beim Alkoholkonsum seien „kein ‚Wiesn‘-Problem“, sondern Zeichen einer gesellschaftlichen Entwicklung, meinte „Wiesn“-Chefin Gabriele Weishäupl. Dagegen könne die Festleitung nicht an. Bürgermeister Ude sieht die Problematik gelassen: „Es hat auch früher schon das gegeben, was wir heute als Komasaufen bezeichnen. Und die Zahl der Opfer, die bei Maßkrugwerfereien oder Schlägereien zu Schaden kamen, war damals sogar noch höher.“

Wirtesprecher Toni Roiderer betont, Betrunkene würden nicht ins Zelt gelassen, und niemand müsse mehr trinken, als ihm bekomme. „Uns ist recht, wenn einer vier Maß trinkt, und uns ist recht, wenn er fünf verträgt - aber er ist nicht verpflichtet.“ Negativberichte seien einseitig. „Die Welt neidet München das Volksfest!“

Komplettes Rauchverbot auf der „Wiesn“

Erstmals gilt in den stets von Überfüllung bedrohten Bierzelten ein komplettes Rauchverbot. Nach außen drängende Raucher und nach innen drängende Gäste könnten sich gehörig in die Quere kommen. Roiderer hofft auf die Vernunft der Besucher. Sein Appell: „Esst und trinkt mehr, dann braucht’s nicht rauchen.“

Eine Kellnerin am Münchner Oktober trägt zahlreiche Bierkrüge.

APA/EPA/DPA/Andreas Gebert

Muskeltraining für das Bedienpersonal

Auf der Theresienwiese stehen schon seit Wochen die Zelte und seitdem vergeht in München auch kaum ein Tag ohne irgendeine Nachricht vom Oktoberfest - die Stadt fiebert dem Beginn entgegen. „Wenn es um die ‚Wiesn‘ geht, hat alles viel mehr Bedeutung als im normalen Leben“, stellt „Wiesn-Stadtrat“ Helmut Schmid (SPD) fest.

Eine Frau im Dirndl steht auf einem Tisch im Hofbräu-Festzelt am Münchner Oktoberfest.

APA/DPA/Karl-Josef Hildenbrand

Auch für „Wiesn“-Besucher aus Australien ist Dirndl Pflicht.

Die Qual der richtigen Outfit-Wahl

Flirtbörsen für eine zünftige „Wiesn“-Begleitung, Ausstellungen, ein Theaterstück, eine „Wiesn-Oper“ und eine regelrechte Flut von Büchern zum Oktoberfest heizten die Vorfreude noch so richtig an. TV-Magazine und Printmedien berichteten über die neueste „Wiesn“-Mode, die - wie könnte es anders sein - auch in diesem Jahr fast alles erlaubt, solange es sich um Tracht, Lederhose und Dirndl dreht.

Der Oberbürgermeister kennt die Dresscodes der „Wiesn“ gut: „Dass da auch ein Schleswig-Holsteiner in Tracht kommt: Was ist dagegen einzuwenden? Man sieht zwar oft nicht astrein traditionelle Trachten - aber Gott sei Dank immer seltener die schreckliche Landhausmode.“ Speziell für Promis ist die Wahl des richtigen Outfits wichtig: Wer danebengreift, findet sich oft schneller auf Worst-dressed-Seiten der Klatschmagazine, als der Promillespiegel abgebaut ist.

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