Heimbewohner „erschrocken und verunsichert“
Für den Anschlag auf ein Grazer Caritas-Flüchtlingsheim in der Nacht auf Samstag ist die FPÖ aus der Sicht der Grünen und des BZÖ mitverantwortlich. Der freiheitliche Wahlkampf habe dafür den Boden bereitet, meinten beide Parteien unter Hinweis etwa auf die Kampagne mit dem mehr als umstrittenen „Minarett“-Computerspiel.
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Die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) meinte etwa zu dem Vorfall: „Fest steht, dass durch das politische Aufheizen der Stimmung, egal ob durch Computerspiele oder verbal, Hass geschürt wird. Irgendwann geht es dann nämlich nicht mehr um ein Internetspiel, auf ein sogenanntes Spiel folgen Menschen.“
Kogler sieht SPÖ und ÖVP in der Pflicht
„Tief betroffen“ zeigte sich auch der stellvertretende Bundessprecher der Grünen und steirische Spitzenkandidat Werner Kogler. „Rechte Hetzer“ hätten politisch den Boden für das Attentat bereitet, meinte Kogler am Samstag gegenüber der APA. Er erwarte nun, dass Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und sein Vize Hermann Schützenhöfer (ÖVP) „klare Worte“ zu dem Attentat finden.
Außerdem forderte Kogler von SPÖ und ÖVP, sie sollten nun „endlich eine Koalition mit den rechten Hetzern ausschließen“. „Wenn durch Hetze das gesellschaftliche und politische Klima vergiftet wird, wenn über ‚Spiele‘ Minarette und Menschen eliminiert werden, wird der Boden für solche verabscheuungswürdigen Gewalttaten aufbereitet“, spielte auch Kogler auf die steirische FPÖ-Kampagne an.
BZÖ warnt vor „FPÖ-Chaoten“
Der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz verurteilte den Vorfall und forderte gleichzeitig die FPÖ auf, für Deeskalation zu sorgen. „Wer Moscheen-Spiele sät, wird Bomben ernten. Die Steiermark ist trotz vieler Probleme - auch mit kriminellen Asylwerbern - ein friedliches Land und darf nicht weiter von Chaoten der FPÖ destabilisiert werden“, so Grosz.
Caritas-Präsident Franz Küberl zeigte sich nach dem Anschlag tief betroffen. Die Bewohner des Heims seien „tief erschrocken und verunsichert,“ so Küberl gegenüber „Kathpress“. Er hoffe, „dass die Polizei bald Klarheit über die Hintergründe schaffen wird und vertraue ganz der Professionalität von Polizei und Verfassungsschutz“.
Für SOS Mitmensch auch Mitschuld bei Regierung
Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch verurteilte den Anschlag ebenso scharf. Die Attacke stelle „einen unfassbaren Dammbruch in der Hetze gegen Asylsuchende dar“, so Sprecher Philipp Sonderegger in einer Aussendung. Er forderte alle politischen Kräfte zur Mäßigung auf, „damit nicht noch Schlimmeres passiert“.
SOS Mitmensch sieht auch bei der derzeitigen Regierungslinie eine Mitverantwortung für Fremdenfeindlichkeit. Unter Verweis auf Pläne für eine „Anwesenheitspflicht" von Asylwerbern meinte die Organisation, man könne den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben“. Asyl- und Fremdenpolitik sollten endlich nüchtern und sachorientiert betrieben werden.
Sprengsatz war gefährlich
Erste Ermittlungen ergaben unterdessen, dass der Samstagfrüh vor dem Flüchtlingswohnheim gezündete Sprengsatz alles andere als harmlos war. Nach Angaben der Polizei dürfte es sich um einen rohrförmigen Sprengkörper gehandelt haben, der bei Personen in der Nähe zu schweren Verletzungen hätte führen können. Über das Motiv oder die Täter gab es vorerst keine Angaben der Ermittler. Das Asylheim ist derzeit mit 35 Personen bei insgesamt 36 Plätzen fast vollständig belegt.
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