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Zwischen Österreich und Australien

Justus Neumann wurde am 28. März 1948 in Wien geboren. Er besuchte die Volksschule im Lycee Francais und beschreibt die ersten Jahre seiner Kindheit als sehr glücklich. Im Alter von sieben Jahren zog Neumann mit seinen Eltern in eine Gemeindewohnung im zweiten Bezirk, die er bis heute bei Wien-Aufenthalten als Wohnsitz nutzt.

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In seinem zwölften Lebensjahr kauften seine Eltern das „Café Volksoper“ in der Fuchsthallergasse im 9. Bezirk, wo Justus Neumann nach der Schule und in den Ferien mithalf, zum ersten Mal mit Schauspielern und Musikern in Berührung kam und auch eine Liebe fürs Theater entwickelte. „Die ganzen Leute von drüben sind zu uns hereingekommen, ich war zehn oder zwölf, ich hab immer Freikarten bekommen und wenn nicht, dann haben manche Dirigenten mich einfach mitgenommen“, erinnert sich Neumann gegenüber ORF.at.

Justus Neumann

APA/Wolfgang Kalal

Neumann teilt die Bühne meist nur mit seinen liebevoll erdachten Requisiten.

Als Vorbilder dienten ihm damals Wiener Volksschauspieler wie Hans Moser und Paul Löwinger, und obwohl er sehr schüchtern war, hegte Neumann bereits damals den Wunsch, Schauspieler zu werden. Nach mehreren Jahren im Ausland - als Fliesenleger in Australien und als UNO-Soldat im Jom-Kippur-Krieg - absolvierte er die private Wiener Schauspielschule Krauss. Schon am Tag seiner Abschlussprüfung hatte er in Paul Fosters „Elisabeth eins“ in der Regie von Hans Gratzer am Kärntnertortheater Premiere. Durch den großen Erfolg der Inszenierung in Wien folgten zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland.

Durchbruch am Wiener Schauspielhaus

Ab dem Zeitpunkt der Gründung des Schauspielhauses 1978 durch Hans Gratzer war Neumann dort vier Jahre lang durchgehend engagiert, unter anderem in den Nestroy-Stücken „Höllenangst“, „Der Schützling“ und „Der Talisman“. Hier lernte er auch sein früheres Vorbild kennen: Helmut Qualtinger. In den Jahren 1980 und 1981 wurde er in den Produktionen für die Wiener Festwochen „Die Unüberwindlichen“ (Karl Kraus) und „Das kleine Wiener Halbwelttheater“ (Helmut Qualtinger) unter der Regie von Qualtinger besetzt.

Der endgültige Durchbruch gelang ihm in der Titelrolle in William Shakespeares „König Lear“. Obwohl ihm, ausgehend von den Riesenerfolgen am Schauspielhaus, von der Presse eine glänzende Karriere prophezeit wurde, beschloss er, das Haus zu verlassen und als freier Schauspieler seine eigenen Visionen vom Theater zu erfüllen.

Abschied vom Ensembletheater

Sehr früh hatte Neumann am Schauspielhaus Probleme, in einem Ensemble zu spielen, es fiel ihm schwer, sich unterzuordnen, erklärte er ORF.at diesen gewagten Schritt. Viel größer war schon damals sein Wunsch, allein auf der Bühne zu stehen - und auch damit gelang ihm schon bald ein Riesenerfolg: „Hamlet und so“ - die von Joseph Hartmann übersetzte Version eines serbokroatischen Stückes begeisterte in Österreich, den USA, Norwegen und Australien das Publikum.

Zusammen mit Hartmann gründete Neumann 1981 die freie Theatergruppe Narrnkastl. Es folgten Produktionen wie „Das Liebeskonzil“, „Mir soll ins Herz gestochen werden“, „Sigmund (B) - ein Taucherdrama“ und „Der futurologische Kongress“.

Neuanfang auf Bruny Island

Aus privaten Gründen entschied sich Neumann, seine Karriere in Wien zu beenden und auf Bruny Island, einer winzigen Insel vor Tasmanien (Australien), ein neues Leben zu beginnen. Doch die Theaterabstinenz währte nicht lange. Nach vier Jahren produzierte er auf Bruny „Fats Waller - Tod im Santa Fe Express“, eine musikalische Produktion über das Leben des Jazzkomponisten und Pianisten Fats Waller. Er tourte damit durch Österreich und Australien und hatte wieder Blut am Schauspielerleben geleckt.

Ab diesem Zeitpunkt lebte er ein Pendlerleben - in unregelmäßigen Abständen von ein bis drei Jahren besucht Neumann seine ehemalige Heimat Wien und bringt mit seinem 1993 gegründeten Theaterverein zum aufgebundenen Bären neue Stücke auf die Bühne. Als eines der erfolgreichsten gilt dabei „Die letzten Tage der Menschheit“ in der Regie des Schweizers Hanspeter Horner. Aufgrund des anhaltenden Publikumsinteresses wurde das Stück mehrmals wieder aufgenommen und schließlich unter dem Titel „Last days of mankind“ auch in Australien gezeigt. Neumann wurde dafür beim Melbourne Fringe Festival als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Mit „Die Bibel“ (1999) und „Gilgamesch - Zum Tod lachen“ (2005) wagte sich Neumann an zwei große Stoffe, die er jeweils als Soloproduktionen verwirklichte. Im Jahr 2007 kam er zum ersten Mal mit seinem eigenem Zirkuszelt nach Wien - und erfüllte sich damit dem lang gehegten Traum. 2010 wagt er sich wieder an eine „unmögliche“ Aufgabe - und schlüpft in über 20 Rollen des „Ring des Nibelungen“ nach Richard Wagner.

Sophia Felbermair, ORF.at

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