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Versorgungsunabhängigkeit lockt

Steigende Energiepreise, Angst vor Versorgungsengpässen und die Debatte um den Klimawandel bescheren der Atomenergie in Europa ein neues Hoch. Etliche Länder denken über den Bau von neuen Reaktoren nach, mehrere haben das bereits beschlossen. In Deutschland wird über eine längere Laufzeit für die bestehenden Kraftwerke diskutiert.

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Frankreich baut seine Position als europäischer Atomstaat Nummer eins weiter aus. Schon heute produzieren 58 Reaktoren rund achtzig Prozent des französischen Stroms. In Flamanville am Ärmelkanal entsteht derzeit der erste Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Frankreich, der voraussichtlich 2014 ans Netz gehen wird. Ein zweiter EPR im Nordwesten des Landes ist geplant.

Vom EPR, der als leistungsfähiger und sicherer als bisherige Atomkraftwerke gilt, erhofft sich der französische Stromkonzern EDF eine weltweite Führungsrolle. Der Konzern will in den kommenden Jahren Dutzende Atomkraftwerke im Ausland bauen und setzt auf Länder wie China, Südafrika, Großbritannien sowie die USA.

Italien hat bisher kein Atomkraftwerk, wendet sich nun aber der Kernkraft zu - gut zwei Jahrzehnte, nachdem die Italiener sich in einer Volksabstimmung dagegen ausgesprochen hatten. In spätestens zwanzig Jahren soll der Atomstrom ein Viertel des Bedarfs abdecken. Zusammen mit dem französischen Energieriesen EDF will der italienische Versorger Enel vier AKWs bauen.

In der Schweiz soll erstmals seit 20 Jahren wieder ein AKW gebaut werden. Es soll bei Orten entstehen, rund zwanzig Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die fünf bestehenden Atomkraftwerke wurden zwischen 1969 und 1984 gebaut und liefern knapp vierzig Prozent des Stroms für das Alpenland.

Großbritannien beschloss vor zweieinhalb Jahren eine Rückkehr zur Atomenergie und den Bau neuer Reaktoren. Die beiden deutschen Energieversorger EON und RWE bauen in den kommenden zehn Jahren zusammen ein Kernkraftwerk für das Vereinigte Königreich. Derzeit betreibt Großbritannien zehn Atomkraftwerke, die aus den 1960er und 1970er Jahren stammen.

Polen will in zehn Jahren sein erstes Kernkraftwerk in Betrieb nehmen, um weniger abhängig von der Kohleproduktion zu sein. Mit dem Bau soll 2016 begonnen werden, als Standort wurde zuletzt Zarnowiec genannt, im Norden des Landes und etwa 280 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Schweden machte den beschlossenen Atomausstieg im Juni wieder rückgängig. Alte Reaktoren sollen nach der Stilllegung ersetzt werden. Die Schweden hatten 1980 in einem historischen Volksentscheid den Ausstieg aus der Atomkraft bis 2010 beschlossen, umgesetzt wurde das Referendum aber von keiner Regierung. Bis heute wurden nur zwei der zwölf Reaktoren stillgelegt.

Finnland hat bisher vier Atomreaktoren aus den 1970er Jahren. Im Juli beschloss das Parlament den Bau von zwei weiteren Reaktoren, damit sich das Land künftig allein mit Strom versorgen kann. Neben den neu beschlossenen Meilern wird derzeit der europaweit erste EPR im finnischen Olkiluoto gebaut.

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