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Sachsen will Brennstäbe entsorgen

Gegen einen geplanten Transport von Atommüll aus Deutschland nach Russland hat vergangene Woche in Moskau die liberale Oppositionspartei Jabloko protestiert. Zahlreiche Demonstranten entrollten vor der deutschen Botschaft Transparente mit Aufschriften wie „Atommüll? Nein danke!“ und warnten vor den meist katastrophalen Lagerbedingungen in Russland, meldete die Agentur Interfax.

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Ein Atomkraftgegner mit Gasmaske habe einem Mitarbeiter der Botschaft ein Schreiben an die deutsche Regierung übergeben. Das ostdeutsche Bundesland Sachsen will nach Angaben der Landesregierung insgesamt 951 Brennstäbe aus dem früheren Kernforschungszentrum Rossendorf bei Dresden nach Russland bringen.

„Korrupte Funktionäre“ stimmten zu

Ziel der Fracht sei vermutlich die geschlossene Stadt Nowouralsk bei Jekaterinburg am Ural, sagte Jabloko-Parteichef Sergej Mitrochin. „Unsere korrupten Funktionäre haben diesem Projekt zugestimmt, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Nation zu nehmen“, sagte der Oppositionelle.

Erst vor wenigen Tagen hätten verheerende Waldbrände rund um die Wiederaufbereitungsanlage Majak im Ural gezeigt, welch Gefahr solche Anlagen darstellten. In Majak rund 1.500 Kilometer östlich von Moskau hatte sich 1957 ein schwerer Atomunfall ereignet.

Drei Transporte bis 2011 geplant

Ein Sprecher des zuständigen Wissenschaftsministeriums hatte den zuvor in deutschen Medien kolportierten Plan bestätigt. Vorgesehen seien spätestens 2011 drei Transporte mit je sechs Castor-Behältern über die Ostsee nach Russland. Die exakte Route, das genaue Ziel sowie der Transportzeitpunkt sind noch nicht bekannt.

Sowjetischer Reaktor: Pflicht zur Rückführung?

Auf Oppositionskritik aus dem sächsischen Landtag entgegnete der Ministeriumssprecher, dass Sachsen aufgrund internationaler Verträge zur Rückführung des Nuklearmaterials verpflichtet sei. Der 1991 stillgelegte Forschungsreaktor Rossendorf sei sowjetischer Bauart. Deswegen müssten die Brennstäbe auch nach Russland gebracht werden.

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