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Kidnapper und mehrere Geiseln tot

In der philippinischen Hauptstadt Manila hat die Polizei am Montag eine Geiselnahme in einem Touristenbus gewaltsam beendet. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, den Bus zu stürmen, warfen Polizisten Tränengasbehälter in das Fahrzeug und erschossen den Geiselnehmer. Auch einige der Touristen aus Hongkong kamen ums Leben.

Etwa die Hälfte der zuletzt 15 Geiseln im Bus sei tot, sagte Innenminister Jesse Robredo am Abend. Präsident Benigno Aquino bestätigte, dass bei dem dem blutig beendeten Geiseldrama acht Touristen getötet wurden. In einer ersten Stellungnahme sprach Aquino den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Rund um die Welt übertragene Fernsehbilder hatten über Stunden hinweg die vergeblichen Versuche von Spezialkräften gezeigt, in den Bus zu gelangen. Nachdem der Geiselnehmer auch einen Polizisten angeschossen hatte, wurde er von einem Scharfschützen getötet.

Rettungskräfte bergen eine Geisel

APA/EPA/Francis Malasig

Einsatzkräfte bergen verletzte Geisel.

Fahrer konnte fliehen

Zu sehen war, wie am Abend bei strömendem Regen Menschen aus dem Bus stiegen oder getragen wurden, etliche Rettungswagen fuhren heran. Zuvor hatte es mehrere Schusssalven gegeben, die Bilder zeigten zudem Rauchschwaden im Bus - möglicherweise von einer Gaspatrone. Der Fahrer war vor dem Eingreifen der Spezialkräfte vom Bus weggerannt.

Dem Radiosender Mindanao Network hatte der Geiselnehmer, ein Ex-Polizist, zuvor in einer Livesendung gesagt, er habe „zwei Chinesen“ erschossen und werde alle Geiseln töten, sollte die Polizei seine Forderungen nicht erfüllen. Spezialkräfte umstellten daraufhin den elf Stunden gekaperten Bus und belagerten das Fahrzeug. Mit Hämmern versuchten sie, die Tür des Busses einzuschlagen.

Ex-Polizist verlangte Rehabilitation

Laut Polizei hatte der mit einem Sturmgewehr bewaffnete Mann Montagfrüh den Bus mit 21 Touristen aus Hongkong, dem philippinischen Fahrer sowie drei weiteren Philippinern in seine Gewalt gebracht und zunächst alle Insassen als Geiseln genommen. In den Stunden danach ließ er einige Geiseln frei, unter ihnen drei Kinder und einen älteren Mann.

Bei dem Geiselnehmer handelte es sich nach Angaben der Polizei um den 55-jährigen Rolando Mendoza, einen einst hoch angesehenen Polizeibeamten, der aber vor zwei Jahren wegen seiner Verwicklung in Raub, Erpressung und Drogendelikte zunächst für 90 Tage suspendiert worden war. Er durfte danach seinen Dienst zwar wieder antreten, wurde heuer im Februar aber endgültig entlassen und verlor damit auch seinen Pensionsanspruch. Mit dem Beginn 2011 wäre er in Pension gegangen.

Offenbar wollte er mit der Geiselnahme seine Wiedereinsetzung in den Dienst erzwingen, sagte Manilas Polizeichef Rodolfo Magtibay. Er habe nichts falsch gemacht und wolle wieder eingestellt werden, die Verantwortlichen sollten seinen Fall prüfen, forderte der Geiselnehmer bei den Verhandlungen.

Zunächst Hoffnung auf friedliche Lösung

Das philippinische Fernsehen berichtete live von der Geiselnahme. Ein Polizeisprecher hatte die Freilassung der ersten Geiseln zunächst als ein Zeichen für die Verhandlungsbereitschaft des Kidnappers gewertet. Der 55-Jährige verhalte sich „höflich“ und habe der Polizei auch erlaubt, die Geiseln im Bus mit Lebensmitteln zu versorgen. Der Bruder des Geiselnehmers, ebenfalls ein Polizist, wurde in die Verhandlungen einbezogen.

Der Bus parkte in der Nähe des Rizal-Parks, einem beliebten Touristenziel in der Altstadt von Manila. Nach Angaben des Reiseveranstalters aus Hongkong waren die Touristen zwischen vier und 72 Jahre alt. Die Gruppe hätte Manila am Montag nach dreitägigem Aufenthalt verlassen sollen.

Der Überfall weckte Erinnerungen an eine Geiselnahme im Jahr 2007, bei der ein Entführer 30 Kinder in seine Gewalt gebracht und mit einer Handgranate bedroht hatte. Damals hatte er nach zehn Stunden aufgegeben. Alle Geiseln hatten das Drama unversehrt überstanden.

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