Der Wissenskanon vor dem Schuleintritt
Wie Fünfjährige im Kindergarten auf die Volksschule vorbereitet werden, hing bisher stark vom jeweiligen Kindergarten ab. Das soll sich künftig ändern: Familienstaatsekretärin Christine Marek (ÖVP) legte einen Bildungsplan für die Fünfjährigen vor, wie das Ö1-„Mittagsjournal“ am Dienstag berichtete.
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Rechtzeitig vor Inkrafttreten des verpflichtenden Kindergartenjahres ab Herbst soll klarer sein, was Fünfjährige vor dem Schuleintritt lernen sollen. Ein Lehrplan im herkömmlichen Sinn ist der Bildungsplan für die Fünfjährigen allerdings nicht. So ist etwa nicht angegeben, ob die angehenden Volksschüler bereits Buchstaben und Zahlen können müssen. Auch Qualitätskriterien für die Kindergärten wie Gruppengrößen und Öffnungszeiten sind nicht darin enthalten.
Vielmehr soll der Bildungsplan eine Anleitung für die Kindergarten-Pädagoginnen und -Pädagogen liefern, wie die Kinder im letzten Kindergartenjahr besser gefördert werden können, so Marek im Ö1-„Mittagsjournal“. Die Kinder sollen bestmöglich für den Einstieg in die Volksschule vorbereitet sein. „Die Kompetenzen der Kinder sollen optimal gestärkt“ werden, so Marek weiter. Die Kindergartenpädagoginnen sollten damit zusätzliche Instrumente für ihre Bildungsarbeit bekommen.
Sechs Bildungsbereiche definiert
Ausgearbeitet wurde der Bildungsplan vom Charlotte-Bühler-Institut in Wien, das auf praxisorientierte Kleinkindforschung spezialisiert ist. Das Institut definierte sechs Bildungsbereiche für die Kinder. Es geht dabei um die Förderung sozialer Beziehungen, um Werte und Regeln in der Gesellschaft, um die Sprache, um Bewegung und Gesundheit, um Ästhetik und um Natur und Technik. Zahlreiche praxisnahe Beispiele im Bildungsplan sollen helfen, die Kinder in diesen Bereichen zu fördern - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Ab Herbst Pflicht
Der Bildungsplan für das letzte Kindergartenjahr ist derzeit im Druck und wird noch im August in die Länder an die einzelnen Betreuungseinrichtungen verschickt. Ab Beginn des neuen Kindergartenjahres, wenn die Kindergartenpflicht für alle Fünfjährigen in allen Bundesländern endgültig in Kraft tritt, muss der Bildungsplan angewendet werden. Dazu sind alle Länder gemäß der 15a-Vereinbarung verpflichtet.
Verweigerung in der Steiermark
Doch nicht überall herrscht Begeisterung. So ließ die Steiermark schon im Vorfeld wissen, man benötige den Bildungsplan für die Fünfjährigen als unnötige Fleißaufgabe und man werde nichts zur Umsetzung beitragen. Der Bildungsplan, den es schon für alle Kindergartenkinder gibt, reiche völlig aus.
Marek weist die Kritik zurück. Für die Fünfjährigen brauche es eine vertiefende, in allen Bundesländern einheitliche Bildung. Denn auch in der Volksschule werde nach einem gemeinsamen Lehrplan vorgegangen, so Marek weiter. Die steirische Weigerung sei im Sinne der Kinder „fast fahrlässig“.
Die Länder seien verpflichtet, ihre Anstrengungen zur Umsetzung des Bildungsplanes nachzuweisen. Das werde man dann im Rahmen der Abrechnungen dann auch zu diskutieren haben, so Marek. Harte Sanktionen für Länder, die den Bildungsplan für die Fünfjährigen nicht umsetzen, sind derzeit allerdings nicht vorgesehen.
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