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Internationale Hilfe im Anmarsch

Moskau hofft bei der Bekämpfung der Feuersbrunst auf internationale Hilfe, denn Meteorologen warnen: Die Hitzewelle könne noch tagelang andauern. Das öffentliche Leben in der Stadt kam unterdessen fast vollständig zum Erliegen.

Im Kampf gegen die schweren Waldbrände in Russland bekommt Moskau jetzt Hilfe von Polen. Wie das Innenministerium in Warschau mitteilte, werden 155 polnische Feuerwehrleute nach Russland aufbrechen. Sie sollen mit Spezialausrüstung die Arbeit der Einsatzkräfte an Ort und Stelle unterstützen, ihre Arbeit wird von den russischen Behörden koordiniert. Die Feuerwehrleute sollen den Angaben zufolge 15 Tage lang im Einsatz sein.

Auch aus Bulgarien, Frankreich, Weißrussland, Ukraine und Italien ist Hilfe nach Russland unterwegs. Hundert bulgarische Feuerwehrmänner sollen in der Region um Moskau zum Einsatz kommen. Italien schickt zwei Löschflugzeuge. Aus Deutschland wurden 100.000 Schutzmasken, Schläuche, Pumpen und Motoraggregate nach Russland geschickt.

Mann sitzt vor Trümmern

APA/EPA

Ganze Dörfer wurden zerstört.

Russlands Präsident spendet

Russland Präsident Dimitri Medwedew spendete persönlich 350.000 Rubel (ca. 8.800 Euro), wie er auf seiner Website am Samstag erklärte. Insgesamt hat die russische Regierung rund 35 Mrd. Rubel allein den betroffenen Landwirten gezahlt. Weitere fünf Mrd. Rubel wurden für den Wiederaufbau von Häusern veranschlagt. Zudem erhält jeder Russe, dessen Grundstück von dem Feuer zerstört wurde, 200.000 Rubel Entschädigung.

Tausende vor Flammen auf der Flucht

Unterdessen steigen die Temperaturen weiter. Am Samstag wurden 42 Grad in der Region entlang des Flusses Wolga gemessen, wo sich im Moment die Brände am stärksten konzentrieren. Dadurch würde laut dem Meteorologischen Zentrum die Waldbrandgefahr auch in den nächsten Tagen noch weiter steigen.

Diplomaten reisen aus

In Moskau selbst ist das öffentliche Leben mittlerweile fast vollständig zum Erliegen gekommen. In der Hauptstadt sank die Sichtweite wegen des Rauchs stellenweise auf unter 50 Meter. Die Schadstoffbelastung der Luft stieg auf weit mehr als das Sechsfache des normalen Werts. Ärzte warnten vor erheblichen gesundheitlichen Problemen. Der Rauch drang auch in die bis zu 85 Meter tiefen Schächte der weltberühmten Metro. Die Industrie in der Hauptstadtregion ist angewiesen worden, ihren Schadstoffausstoß um 40 Prozent zu verringern.

Ein Mann wandert durch den Smog

AP/Sergey Ponomarev

Moskau in dichte Rauchwolken gehüllt

Wegen des giftigen Qualms sind die ersten Diplomaten aus der russischen Hauptstadt abgereist. Polen und Kanada hätten einige Mitglieder ihres diplomatischen Personals und deren Familien in die Heimat geschickt. Das berichtete der Radiosender „Echo Moskwy“ am Sonntag. Die österreichische Botschaft bleibe jedoch besetzt und werde am Montag offen sein, versicherte Ministeriumssprecher Harald Stranzl.

Reisewarnungen bleiben aufrecht

Einfache Atemschutzmasken seien keine Hilfe, warnte der Moskauer Experte Leonid Lasedbnik. Die Bevölkerung wurde daher aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben oder gleich die Stadt zu verlassen. Auf den internationalen Flughäfen kam es wegen der schlechten Sicht zu großen Verspätungen, mehrere Flüge wurden in andere Städte umgeleitet. Der Smog werde nicht vor Mittwoch kommender Woche abziehen, sagten Meteorologen.

Die USA, Großbritannien und Frankreich rieten von nicht notwendigen Reisen nach Moskau und in die Waldbrandgebiete ab. Am Freitag hatte bereits das österreichische Außenministerium einen entsprechenden Sicherheitshinweis veröffentlicht. Vor allem chronisch Kranke, ältere Menschen und Kinder sollten die betroffenen Regionen meiden.

Die tschechische Botschaft ordnete aufgrund der sich stetig ausbreitenden Waldbrände rund um Moskau laut der tschechischen Nachrichtenagentur CTK die Evakuierung der Frauen und Kinder von Mitarbeitern der diplomatischen Vertretung an. Auch die slowakische Botschaft habe die Evakuierung der Kinder der Botschaftsmitarbeiter angeordnet.

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