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Nichts Neues in Haiti

Seit dem schrecklichen Erdbeben in Haiti mit mehr als 220.000 Toten versucht die Weltgemeinschaft, dem ärmsten Land Amerikas zu helfen. Mit bisher mäßigem Erfolg. Nur ein geringer Teil der Hilfe kommt an. Auch der internationale Währungsfonds hat Haiti die Schulden erlassen.

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Rund elf Milliarden Dollar will die internationale Gemeinschaft aufbringen, um das vom Erdbeben zerstörte Haiti wieder aufzubauen. Die haitianische Regierung und die internationalen Organisationen sahen nach der Katastrophe vom Januar auch den Zeitpunkt gekommen, das wirtschaftlich und politisch zerrüttete Land endlich nach vorne zu bringen. Doch ein halbes Jahr später macht sich Frust bei den Helfern und Verzweiflung bei den Opfern breit.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat jetzt dem notleidenden Land Schulden in Höhe von 268 Mio. Dollar (rund 210 Mio. Euro) erlassen. Der IWF unterstütze den Wiederaufbau und das wirtschaftliche Wachstum des bettelarmen Karibikstaates, hieß es in der Mitteilung der Organisation am Mittwoch in Washington. Zudem erhält die Zentralbank Haitis einen Dreijahreskredit über 60 Millionen Dollar, um etwa exzessiven Währungsschwankungen entgegentreten zu können. Für diesen Kredit fallen bis Ende 2011 keine Zinsen an.

Zehn Prozent der Hilfe angekommen

Viele internationale Organisationen haben sehr viel Hilfe in das kleine Land gebracht. Doch nur zehn Prozent der versprochenen fünf Milliarden Euro für Erdbebenopfer sind bisher vor Ort angekommen. Das sagte die UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven nach einem Besuch des Landes. Sie bezeichnete die Zustände in den Zeltstädten als „katastrophal“. „Dort leben bis zu 12.000 Menschen an einem einzigen Platz, darunter viele Kinder.“

Immer noch hausen mehr als eine Million Menschen in provisorischen Lagern in den Parks und Straßen von Port-au-Prince. Und obwohl Tausende Tonnen Trümmer weggeschafft wurden, liegen die Überreste unzähliger eingestürzter Gebäude unangetastet da. Und darunter liegen immer noch verschüttete Leichen.

Hurrikansaison erschwert die Lage

Erschwert wird die Lage von der nun beginnenden Hurrikansaison. Der Regen hat den Obdachlosen in den Lagern schon schwer zugesetzt. Zwar wird die Hauptstadt Port-au-Prince zum Teil von den umliegenden Bergen vor den Wirbelstürmen geschützt, doch Regenmassen und starke Winde können dennoch zu einer großen Gefahr werden. Nach Angaben der UNESCO sind insgesamt etwa drei Millionen Menschen in Haiti in Zelten unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Die Sonderbotschafterin Ohoven warnte vor einer weiteren Verschlimmerung der Lage. „Es drohen aufgrund der Regenzeit Seuchen und Malaria-Erkrankungen.“

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bemängelte, dass das Hilfsprogramm nicht so schnell wie geplant vorankommt. Beim Treffen der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) in Jamaika vor wenigen Tagen machte er aber auch klar, dass Geduld notwendig sei. „Die Erholung wird viele Jahre dauern und bedarf der beharrlichen Anstrengung aller Partner Haitis“, sagte er.

Stimmung brodelt

Einige Haitianer sind indes des Wartens müde. Sie machten ihrem Unmut im April und Mai mit Straßenprotesten Luft. Die Stimmung brodelt und richtet sich vor allem gegen die Regierung von Präsident Rene Préval. Die Opposition will verhindern, dass er die für November geplanten Wahlen verschiebt, um seine Amtszeit zu verlängern. Vor wenigen Tagen haben die ersten drei Haitianer ihre Kandidatur für das Präsidentenamt offiziell angemeldet.

Bereits mehrfmals gab es Protestmärsche der Opposition. Es wird erwartet, dass diese Aktionen intensiver werden, je näher der 28. November rückt. So war für diesen Donnerstag ein Generalstreik angekündigt worden. Für die internationale Hilfe wären Unruhen eine weitere Erschwernis. „Ohne politische Stabilität werden die Bemühungen um einen Wiederaufbau nicht erfolgreich sein“, sagte der Chef der US-Mission zur Stabilisierung Haitis, Eduard Mulet.

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