Nowotny: „Sehr strenge Tests“
Kurz vor dem „Tag der Wahrheit“ für 91 europäische Banken wachsen in der Branche die Zweifel an der Aussagekraft der Belastungsprobe. Die geprüften Großbanken - unter ihnen auch Josef Ackermanns Deutsche Bank - befürchten vor der Verkündung der Ergebnisse Fehlinterpretationen. Viel entscheidender aber könnten die wachsenden Zweifel von Investoren an dem „Stresstest“ werden.
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Der Termin für die Bekanntgabe der „Stresstests“ ist wohl mit Bedacht gewählt: Freitag nach Börsenschluss. Somit bleibt allen Beteiligten - Banken, Investoren und Politik - ein ganzes Wochenende, um eine eventuelle Aufregung abkühlen zu lassen und die möglichen negativen Folgen für den Finanzmarkt zumindest etwas einzudämmen.
„Keine Katastrophen“
Denn laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ („WSJ“) könnte der „Stresstest“ im schlimmsten Fall neue Turbulenzen und Unsicherheiten auslösen - anstatt der ersehnten Beruhigung. Denn Äußerungen von zahlreichen europäischen Politikern legen die Vermutung nahe, dass wohl ein ganz großer Teil der 91 Institute die Prüfung bestehen wird. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, sieht nach eigener Darstellung keine Gefahr, dass Banken bei den Tests durchfallen. „Ich erwarte keine großen Katastrophen“, hatte er zuletzt in einem Interview gesagt.
Griechische Skepsis
Was Investoren besonders skeptisch macht, ist, dass selbst die sechs betroffenen Banken Griechenlands - immerhin das Epizentrum der Euro-Krise - den Test problemlos bestehen dürften, folgt man den durchwegs beruhigenden Aussagen europäischer Politiker der letzten Tage. Der griechische Finanzminister George Papaconstantinou meinte sogar: „Ich bin sicher, dass die Banken den Belastungstest schaffen werden.“
John Raymond, Bankanalyst der unabhängigen Finanzforschungsfirma CreditSights, betonte dagegen: Wenn Banken in Ländern wie Griechenland den „Stresstest“ schafften, „dann bedeutet das vielleicht, dass er nicht streng genug ist“. „Ich denke, der Markt wird enttäuscht sein“, sagte Raymond gegenüber dem „WSJ“. Lediglich vom notverstaatlichten deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) wurde bisher bekannt, dass er wahrscheinlich den Test nicht bestehen wird.
Banken fürchten Falschinterpretation
Doch auch die Banker selbst sind nervös. Nach einer Umfrage des Centers for Financial Studies (CFS) an der Universität Frankfurt hält es nur ein Fünftel der befragten Manager von Banken, Börsen und Finanzdienstleistern für wahrscheinlich, dass die Ergebnisse richtig eingeordnet werden. Ein Drittel ist nicht davon überzeugt. Immerhin geben 58 Prozent an, dass der „Stresstest“ das Vertrauen der Marktteilnehmer erhöhen werde. Fast jeder Zweite erwartet von den Ergebnissen auch die Erkenntnis, dass das Bankensystem in Deutschland neu geordnet werden müsse.
Kriterium Kernkapital
Geprüft wird im Zuge der Tests der 91 Banken in 20 Ländern, ob die Institute unter Annahme der Belastungsszenarien über der geforderten Kernkapitalquote („Core Tier 1“) von sechs Prozent bleiben oder nicht und welche Institute eventuell frisches Kapital brauchen. Zum Kernkapital werden im wesentlichen das Eigenkapital und Gewinnrücklagen gezählt, nicht jedoch Ergänzungskapital und Hybridkapital.
Nowotny optimistisch
Nationalbank-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zeigte sich - nicht zum ersten Mal in der Finanzkrise - als Optimist: „Wir erwarten, dass die Märkte positiv darauf reagieren werden“, sagte Nowotny am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er wies Zweifel an den Prüfungen als „vollkommen unangebracht“ zurück. „Die Tests sind sehr streng“, bekräftigte er. Die europäische Wirtschaft werde vor allem von den starken Exporten angetrieben, sagte Nowotny. „Ich sehe kein Szenario, das auf einen Rückfall in die Rezession hindeutet - das entspricht nicht unserer Prognose.“
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