Szenenbild Der Abschied

Charaux gewinnt mit Kappacher-Text

Der ultimativ letzte Sieger der Reihe „Young Directors Project“ („YDP“) der Salzburger Festspiele heißt überraschend Nicolas Charaux. Der 27-jährige französische Regisseur gewann den Wettbewerb um das innovative Theaterformat mit einem formal klassischen Sprechtheater: Er inszenierte Walter Kappachers „Der Abschied“, einen Monolog über die letzten Tage des Dichters Georg Trakl. Beim Festakt gab es einige herbe Töne zur Abschaffung dieses Format ab 2015.

Die Uraufführung dieses Monologs aus der Feder des Salzburger Büchner-Preisträgers setzte sich gegen drei weitere Regiearbeiten durch: „Hinkemann“ von Ernst Toller und Regisseur Milos Lolic, „36566 Tage“ der Kunstuniversität Mozarteum unter der künstlerischen Leitung von Hans-Werner Kroesinger sowie „Orpheus“ vom Littler Bulb Theatre in der Regie von Alexander Scott teilen sich die Ehrenplätze. Der von Montblanc gesponserte Preis für den Sieger Charaux und sein Team beträgt 10.000 Euro. Zudem gewinnt der siegreiche Regisseur die Einzelanfertigung einer Füllfeder, deren Wert um die 12.000 bis 15.000 Euro liegen soll.

Hommage an alle Mitstreiter

Charaux nahm den Preise Donnerstagvormittag stellvertretend für sein Team entgegen und betonte, dass er ohne seine Mitstreiter, allen voran Bühnenbildnerin Pia Greven, „nichts erreicht“ hätte. „Noch nie habe ich meine eigene Arbeit als Regisseur so grundlegend infrage gestellt wie in der Arbeit mit ‚Abschied‘. Ich bin definitiv nur ein kleiner Teile dieses Erfolges.“

Die Jury wurde heuer vom Salzburger Ex-Intendanten und „YDP“-Erfinder Jürgen Flimm geleitet. Ihm zur Seite standen Georg Schmiedleitner, Regisseur der aktuellen Festspielproduktion „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus, Julia Gschnitzer, die heuer in der Rolle von „Jedermanns Mutter“ auf dem Domplatz zu erleben ist, sowie Galerist Thaddäus Ropac und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.

Ropac und Rabl-Stadler haben alle 52 „YDP“-Produktionen in 13 Jahren als Juroren begleitet. Die Jury begründete ihre Entscheidung für Charaux und „Der Abschied“ so: „Auch für keine Trakl-Kenner wurde diese verzweifelte Seele wie durch einen Projektor an die Wand geworfen. Wir sahen ein großartiges Bühnenbild ... Hätten wir ein Young Designers Project, Pia Greven hätte diese Ehre verdient. Charaux hat dieses Bühnenbild im Lauf des Abends durch mörderische Axthiebe verändert und ein dichtes Netz gebaut, in dem die verwundete Seele des Herrn Trakl zappelte.“

„So was kriegt ihr nie wieder“

Vor einigen Monaten hatte Sponsor Montblanc seinen Ausstieg bekanntgegeben. Das erfolgreiche Format wird nicht fortgeführt. „Ob diese Entscheidung gut war, sich aus dem Glanz der Festspiele zurückzuziehen, das möchte ich bezweifeln. So etwas kriegt ihr nie wieder“, sagte Flimm zum Vertreter des Sponsors auf dem Podium. An die Adresse seiner Ex-Kollegen Rabl-Stadler und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf richtete der Ex-Intendant: „Es ist für mich nicht wirklich verständlich, dass die Festspiele nicht versuchen, Geld aufzutreiben, um das YDP fortzusetzen.“

Bechtolf erwiderte, das „YDP“ sei ein „richtig teures, typisches Sponsorenprojekt“, das sich die Festspiele nicht mehr leisten könnten, und forderte auf, derartige Forderungen an die Politik zu richten. Die Subventionsgeber hatten ihre Zahlungszusagen für die Festspiele ab 2015 erst vor wenigen Wochen von 13,5 auf 16 Mio. Euro erhöht.

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