Szene aus "Zerschlag mein Herz".

Georg Weiss

Romeo und Julia in der Vorstadt

Pepe und Marcela kommen aus der Ostslowakei, betteln in Wien, und lieben einander: „Zerschlag mein Herz“ ist das Spielfilmdebüt von Alexandra Makarova, irgendwo zwischen Roma-Milieustudie und zuckerlbuntem Melodram. Und es ist der erste Film, den der Schauspieler Simon Schwarz produziert hat.

Zunächst ist da der Onkel Rocky (Frantisek Balog), der gemein ist zum jungen Helden Pepe: Sein auf der Straße erbetteltes Geld soll Pepe (Roman Pokuta) gefälligst an Rocky abliefern. Und er soll seinem Onkel zuhören, wenn der spricht, und nicht währenddessen Schuhe putzen. Dabei sind es die ererbten, heißgeliebten Schuhe von Pepes verstorbenem Vater. Mit dieser ersten Szene sind die Fronten klar: Rocky ist Sklaventreiber, selbst innerhalb der eigenen Familie. Und der ausgebeutete Pepe hat ein weiches Herz.

Zwei Jahre Recherche

„Zerschlag mein Herz“ ist, wie man so sagt, eine „Milieustudie“ unter slowakischen Roma, die in der Wiener Vorstadt wohnen und in der Innenstadt mit Bettelei und Sexarbeit Geld zu verdienen versuchen. Zwei Jahre lang hat Regisseurin Alexandra Makarova für ihr Spielfilmdebüt recherchiert, in Wien und in der Ostslowakei. Makarovas eigene, weiße Familie kommt aus der Gegend, trotzdem sei sie sich „wie eine Touristin aus dem Westen“ vorgekommen beim ersten Besuch in einem Roma-Dorf, sagte die Regisseurin im Publikumsgespräch nach der Diagonale-Premiere.

Aus Dutzenden Erzählungen, die ihr und ihrem Team bei der Recherche berichtet wurden, haben sie und ihr Ko-Autor Sebastian Schmidl eine Geschichte entwickelt, die in fünf Kapiteln einer klassischen Melodramenstruktur folgt: Unter der Schirmherrschaft von Rocky fristen Pepe, Rockys Freundin Tereza (Simonida Selimovic), deren zwölfjähriger Sohn Sandokan und die Transfrau Jessica (Martin Gabor) ihr Überleben.

„Bitte, eine kleine Spende!“

Die Struktur der zusammengewürfelten Familie formiert sich um, als ein neues Mädchen ankommt: Marcela (Simona Kovacova) ist die sprichwörtliche Unschuld vom Lande, und wurde von ihrem Vater nach Wien geschickt, denn der schuldet Rocky Geld. Wie seine Tochter die Schulden abarbeitet, ist ihm egal.

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"Zerschlag mein Herz" © Georg Weiss

Pepe und Marcela

Natürlich ist Pepe fasziniert von dem Mädchen. Er kann gerade noch verhindern, dass sie mit Tereza und Jessica auf den Strich muss, und verspricht Rocky, aus ihr eine kompetente Bettlerin zu machen: „Schau ihnen in die Augen. Dann geben sie dir eher etwas.“ Dabei kommen die beiden Teenager einander näher. Doch auch Rocky begehrt die hübsche Marcela. Und nach einer Tragödie erzwingt er daheim im Dorf eine Heirat mit dem verzweifelten Mädchen.

Produzentendebüt für Simon Schwarz

„Zerschlag mein Herz“ tritt an, jenen Menschen näherzukommen, die von vielen nur als lästige Bettler wahrgenommen werden, und denen in Boulevardmedien gerne organisiertes Verbrechen unterstellt wird. Dass es dabei nicht ohne Vereinfachungen zugeht, räumt Neofilmproduzent Simon Schwarz ein: „Wir haben die Geschichte emotionalisiert, vielleicht auch mit ein paar Klischees - sodass man das Gefühl hat, das sind doch Menschen. Was machen die eigentlich?“

Die beiden Hauptdarsteller, eigens für die Premiere nach Graz angereist, kamen beim auf Deutsch geführten Publikumsgespräch leider kaum zu Wort. Lediglich die in Berlin am Gorki-Theater engagierte Simonida Selimovic, wie die andern Darsteller ebenfalls Romni, stellte sicherheitshalber klar: „Das hier ist eine erfundene Geschichte. Keiner von uns geht normalerweise betteln. Niemand tut das, dem es nicht wirklich sehr, sehr schlecht geht.“

Keine Angst vor großen Gefühlen

Handwerklich ist „Zerschlag dein Herz“ ein bemerkenswertes Debüt, das ohne Furcht vor großen Gefühlen eine emotionale junge Liebesgeschichte vor dem Hintergrund patriarchaler Gewaltstrukturen erzählt. Die Entscheidung jedoch, bei einem Film über eine „Community“ nicht auch jemandem aus eben dieser Lebenswelt in die Autorenschaft des Films miteinzubeziehen, ist unglücklich, und nimmt dem Film viel von seiner Dringlichkeit.

Magdalena Miedl, für ORF.at

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