„Turandot“: Der Drache fliegt wieder
Der gebürtige Zürcher hat das Werk zuletzt an der Wiener Staatsoper inszeniert und dabei Korrekturen vorgenommen, die nun auch in die Bregenzer Wiederaufnahme eingebaut wurden. So erscheint das Spiel nun insgesamt stringenter und das Ringen der eisumgürteten Prinzessin um ihre Autonomie („in questa reggia“) glaubwürdiger.
Weitere Aufführungstermine
- Juli: 22., 23., 24., 26., 29., 30.
- August: 2.,3., 4., 5., 6., 7., 9., 11., 12., 13., 14., 16., 18., 19., 20., 21.
- Mehr Infos auf: bregenzerfestspiele.com
Effekte ohne Effekthascherei
Nach wie vor ist das Geschehen auf den drehbaren Zylinder fokussiert, dessen Deckel hydraulisch geöffnet werden kann. Marelli erreicht damit die von ihm beabsichtigte Konzentration, das Spiel bleibt damit jedoch recht statisch. Dem Wunsch nach dem Showeffekt auf Europas größter Freilichtbühne wird mit asiatischer Kampfkunst, Feuerelementen und Wasserfontänen entsprochen. Marelli spielt mit Effekten, ohne Effekthascherei zu betreiben.
Mehr Tempo als im Vorjahr
Paolo Carignani dirigierte die Wiener Symphoniker mit deutlich mehr Tempo als im vergangenen Jahr, was dem Werk insgesamt gut tut. Die Sängerbesetzung ist bei den Hauptpartien nahezu gleich geblieben. Wie schon im Premierenjahr avancierte auch bei der heurigen Premiere wieder die chinesische Sopranistin Guanqun Yu als aufopfernde Sklavin Liù als der erklärte Publikumsliebling. Doch auch Sopranistin Mlada Khudoley und Tenor Rafael Rojas überzeugten mit ihren Darbietungen.

APA/ Dietmar Stiplovsek
Publikumsliebling Guanqun Yu (Liu) mit Gianluca Buratto als Timur und Riccardo Massi als Calaf
Atemberaubende Lichtstimmungen
Schlicht atemberaubend sind die irisierenden Lichtstimmungen, die das Team rund um Davy Cunningham auf die Seebühne gezaubert haben. Die Tonkrieger aus der berühmten Terrakottaarmee des ersten chinesischen Kaisers erstrahlen in verschiedenen Farbschattierungen, die Lichtstimmungen sorgen für ein ständiges Changieren der Stimmungen und bieten die perfekte Unterstützung für die von Regisseur Marelli intendierte Betonung der psychologischen Momente des Opernfragments.

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Faszinierende Lichtspiele auf der Seebühne
Marelli hat sich bekanntlich für einen mittleren Alfanoschluss entschieden und das Ringen des Prinzen Calaf um Turandots Liebe mit dem Ringen Puccinis um sein eigenes Werk verknüpft. Das blaue Komponistenzimmer ist dem Hauptpodium vorgelagert. Die ersten Töne der berühmten „Nessun dorma“-Arie singt die Doppelgestalt Puccini/Calaf noch dort im Bett liegend, um dann für das Finale die Spitze des Bühnenrunds zu erklimmen.

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Riccardo Massi (Calaf) und Katrin Kapplusch (Turandot)
Das Spiel auf dem See „Turandot“ ist bereits jetzt das bestgebuchte Pucciniwerk der Bregenzer Festspielgeschichte. Letztes Jahr konnte eine 99-Prozent-Auslastung erzielt werden, die bisherigen Verkaufszahlen können die Festivalverantwortlichen heuer auf eine 95-Prozent-Auslastung hoffen lassen.
Annette Raschner, ORF Vorarlberg
